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Dienstag, 28. Oktober 2008

Neues aus dem Zitatekästchen übers Schreiben

Wer aber nicht eine Million Leser erwartet, sollte keine Zeile schreiben. (Johann Wolfgang von GOETHE am 12. Mai 1825. In Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. Brockhaus 1868, S. 220; http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/biografie/eckermann/1825/18250512.htm); mehr dazu siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.de/2012/11/goethe-uber-eine-million-leser-und.html

Duclos bemerkt, es gebe wenig ausgezeichnete Werke, die nicht von Schriftstellern von Profession herrühren. In Frankreich wird dieser Stand seit langer Zeit mit Achtung anerkannt. Bei uns galt man ehedem weniger als nichts wenn man bloß Schriftsteller war. Noch jetzt regt sich dies Vorurteil hier und da, aber die Gewalt verehrter Beispiele muß es immer mehr lähmen. Die Schriftstellerei ist, je nachdem man sie treibt, eine Infamie, eine Ausschweifung, eine Tagelöhnerei, ein Handwerk, eine Kunst, eine Wissenschaft und eine Tugend. (August Wilhelm von SCHLEGEL*, Über Litteratur und Kunst. In Vermischte und kritische Schriften. Weidmann’sche 1846, S. 13http://www.zeno.org/Literatur/M/Schlegel,+Friedrich/Fragmentensammlungen/Fragmente)
* Nicht Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel.

Wir schreiben … um unser Bewußtsein vom Leben zu vertiefen … wir schreiben, um das Leben zweimal zu kosten: im Augenblick und in der Rückschau … Wir schreiben, um andere zu locken, zu bezaubern und zu trösten … … um uns selbst zu lehren, mit anderen zu sprechen, um die Reise in das Labyrinth aufzuzeichnen … um unsere Welt zu erweitern, wenn wir uns stranguliert fühlen, eingeengt und einsam … Wir schreiben, um die Grenzen unseres Lebens zu überschreiten, um darüber hinaus reichen zu können. Wenn ich nicht schreibe, fühle ich, wie meine Welt schrumpft, ich fühle mich in einem Gefängnis. Ich empfinde, wie ich mein Feuer und meine Farben verliere . (Anaïs NIN; mehr dazu siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.de/2011/11/anais-nin-uber-das-schreiben.html)

Es schreibt keiner wie ein Gott, der nicht gelitten hat wie ein Hund. (Marie von EBNER-ESCHENBACH. In Aphorismen. Aus einem zeitlosen Tagebuch. Altweibersommer. Parabeln und Märchen. Nymphenburger Verlagshandlung 1961, S. 74)

Was eigentlich den Schriftsteller für den Menschen ausmacht, ist: beständig zu sagen, was der größte Theil der Menschen denkt oder fühlt ohne es zu wissen. Der mittelmäßige Schriftsteller sagt nur, was jeder würde gesagt haben. (Georg Christoph LICHTENBERG. In Georg Christoph Lichtenberg’s Gedanken und Maximen: Lichtstrahlen aus seinen Werken. Brockhaus 1871, S. 124)

Es sind zuverlässig in Deutschland mehr Schriftsteller, als alle vier Welttheile überhaupt zu ihrer Wohlfahrt nötihg haben. (Georg Christoph LICHTENBERG. In Vermischte Schriften. Dietrichsche 1853, S. 313)

Seine Bücher waren alle sehr nett; sie hatten auch sonst wenig zu thun. (Georg Christoph LICHTENBERG. In Georg Christoph Lichtenberg’s Gedanken und Maximen: Lichtstrahlen aus seinen Werken. Brockhaus 1871, S. 177)

Ich glaube, dass ich ein Arbeiter, ein Handwerker bin. Schreiben ist für mich nicht so sehr eine Sache der Stimmung. (Friedrich DÜRRENMATT. In Der Klassiker auf der Bühne: Gespräche 1961–1990. Diogenes 1996, S. 126)

Ich staune immer, wenn ich irgend etwas zu Ende bringe. Ich staune und bin deprimiert. Mein Sinn für Vollkommenheit müßte mich daran hindern, irgend etwas zu Ende zu bringen; er müßte mich sogar daran hindern, irgend etwas in Angriff zu nehmen. (Fernando PESSOA, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Fischer 1988, S. 115)

Isolation ist das erste Prinzip künstlerischer Ökonomie (Isolation is the first principle of artistic economy). (James JOYCE, Stephen Hero, Chapter XVI, S. 34,  http://www.ricorso.net/rx/az-data/authors/j/Joyce_JA/apx/texts/Extracts/St-Hero.htm)

Ich finde nicht, daß ein Künstler sich mit Gedanken an sein Publikum belasten sollte. Sein bestes Publikum ist der Mensch, dessen Gesicht er allmorgendlich im Rasierspiegel erblickt. (Vladimir NABOKOW; zitiert nach http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14937268.html)

Geschichte* schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen. (Johann Wolfgang von GOETHE, Ueber Kunst und Alterthum. Cotta 1821, S. 33)
*Nicht Geschichten(!).

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