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Donnerstag, 3. Januar 2013

Zitat des Tages: Lichtenberg über Bücher

Schreibt man denn Bücher bloß zum Lesen? oder nicht auch zum Unterlegen in die Haushaltung? Gegen eins, das durchgelesen wird, werden Tausende durchgeblättert, andere Tausende liegen stille, andere werden auf Mauslöcher gepreßt, nach Ratzen geworfen, auf anderen wird gestanden, gesessen, getrommelt, Pfefferkuchen gebacken, mit anderen Pfeifen angesteckt, hinter dem Fenster damit gestanden.

Georg Christoph Lichtenberg

(In Schriften und Briefe, 1967, S. 311)

Dienstag, 21. Februar 2012

Zitat des Tages: Karl Kraus übers Leben, Lesen und Schreiben

Zu seiner Belehrung sollte ein Schriftsteller mehr leben als lesen. Zu seiner Unterhaltung sollte ein Schriftsteller mehr schreiben als lesen. Dann können Bücher entstehen, die das Publikum zur Belehrung und zur Unterhaltung liest.

Karl Kraus, Die Fackel, H. 251–252 (1908), S. 44

Montag, 7. März 2011

Zitat des Tages: Schopenhauer über den Kauf von Büchern

Es wäre gut Bücher kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meistens den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhalts.

Arthur Schopenhauer

(In Parerga und Paralipomena: Kleine philosophische Schriften. Hayn 1862, S. 596)

Mittwoch, 2. Februar 2011

Montag, 10. Januar 2011

Zitat des Tages

Einige Bücher soll man schmecken, andere verschlucken, und einige wenige kauen und verdauen.

Francis Bacon

Mittwoch, 3. November 2010

Zitat des Tages

Ich halte überhaupt nichts von der Idee, Schriftsteller seien geniale Künstler. Für mich war Schreiben immer Handwerk, und wenn dabei so etwas wie Kunst entsteht, dann ist das schön, aber nicht planbar. Es ist der Wunsch, in eine andere Haut zu schlüpfen, in einer anderen Welt zu leben, der uns zum Lesen bringt. Lesen ermöglicht uns, mehr als ein Leben zu führen, ohne mehr als einen Tod zu sterben.

Marion Zimmer-Bradley

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Zitat des Tages

Wenn wir Romane lesen, sind wir nicht nur wir selbst; wir sind auch die verzauberten Wesen, zwischen die der Romancier uns versetzt. Dieser Vorgang kommt einer Metamorphose gleich: das erstickende Gefängnis unseres wirklichen Lebens tut sich auf, und wir treten hinaus als andere, um stellvertretende Erfahrungen zu erleben, die die Fiktion zu unseren macht. Hellsichtiger Traum, Gestalt gewordene Phantasie, ergänzt die Fiktion uns verstümmelte Wesen, denen die grausame Dichotomie auferlegt wurde, ein einziges Leben zu haben und die Fähigkeit, tausend zu wünschen.


Mario Vargas Llosa, Die Kunst der Lüge
Literatur-Nobelpreisträger 2010

Freitag, 20. August 2010

Zitat des Tages

Soll ein Buch seinen Zweck erreichen, so muß es eine Seele haben, nämlich die Seele des Verfassers. Ist es bei zugeknöpftem Rock geschrieben, so mag ich es nicht lesen.

Karl May (Old Surehand III)

Dienstag, 17. August 2010

Gedicht der Woche

Der Bücherfreund

Ob ich Biblio- was bin?
Phile? „Freund von Büchern“ meinen Sie?
Na, und ob ich das bin!
Ha! und wie!

Mir sind Bücher, was den andern Leuten
Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel,
Turnsport, Wein, und weiß ich was, bedeuten.
Meine Bücher – – – wie beliebt? Wieviel?

Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl.
Bitte, doch mich auszureden lassen.
Jedenfalls: viel mehr, als mein Regal
Halb imstande ist zu fassen.

Unterhaltung? Ja, bei Gott, das geben
Sie mir reichlich. Morgens zwölfmal nur
Nüchtern zwanzig Brockhausbände heben  – – –
Hei! das gibt den Muskeln die Latur.*

Oh, ich mußte meine Bücherei,
Wenn ich je verreiste, stets vermissen.
Ob ein Stuhl zu hoch, zu niedrig sei,
Sechzig Bücher sind wie sechzig Kissen.

Ja natürlich auch vom künstlerischen
Standpunkt. Denn ich weiß die Rücken
So nach Gold und Lederton zu mischen,
Daß sie wie ein Bild die Stube schmücken.

Äußerlich? Mein Bester, Sie vergessen
Meine ungeheure Leidenschaft,
Pflanzen fürs Herbarium zu pressen.
Bücher lasten, Bücher haben Kraft.

Junger Freund, Sie sind recht unerfahren,
Und Sie fragen etwas reichlich frei.
Auch bei andern Menschen als Barbaren
Gehen schließlich Bücher mal entzwei.

Wie? – ich jemals auch in Büchern lese??
Oh, Sie unerhörter Ese – – –
Nein, pardon! - Doch positus, ich säße
Auf dem Lokus, und Sie harrten
Draußen meiner Rückkehr, ach dann nur
Ja nicht länger auf mich warten.
Denn der Lokus ist bei mir ein Garten,
Den man abseits ohne Zeit und Uhr
Düngt und erntet dann Literatur.

Bücher – Nein, ich bitte Sie inständig:
Nicht mehr fragen! Laß dich doch belehren!
Bücher, auch wenn sie nicht eigenhändig
Handsigniert sind, soll man hoch verehren.

Bücher werden, wenn man will, lebendig.
Über Bücher kann man ganz befehlen.
Und wer Bücher kauft, der kauft sich Seelen,
Und die Seelen können sich nicht wehren.

Joachim Ringelnatz





*Was eine Latur ist, habe ich leider nicht herausgefunden. Aber vielleicht weiß das ja einer meiner geschätzten Leser

Dienstag, 10. November 2009

Zitat des Tages

Welchen Leser ich mir wünsche? Den unbefangensten, der mich, sich und die Welt vergißt und in dem Buche nur lebt.

Schiller

Samstag, 19. September 2009

Zitat des Tages

Nicht Worte sollen wir lesen, sondern den Menschen, den wir hinter den Worten fühlen.

What we should read is not the words but the man whom we feel to be behind the words.

Samuel Butler

(In The Note-Books of Samuel Butler. Echo Library 2006, S. 60)

Donnerstag, 20. August 2009

Zitat des Tages

Das Verläßlichste sind Naturschönheiten. Dann Bücher; dann Braten mit Sauerkraut. Alles andre wechselt und gaukelt.

Arno Schmidt

(In Arno Schmidt: Das erzählerische Werk: Kaff, auch Mare Crisium, Bd. 7. Haffmans 1985, S. 26)

Samstag, 30. Mai 2009

Zitat des Tages

Wer sich viel mit Menschen herumärgern muß, erholt sich am besten davon in Büchern.

Adolf Spemann

Donnerstag, 23. April 2009

Zum heutigen Welttag des Buches …

… wollte ich ein Zitat von Martin Luther einstellen. Nun habe ich aber drei Versionen des Zitats gefunden. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand sagen würde, welches richtig ist

Die Buchdruckerkunst ist die letzte und höchste Wohltat Gottes vor dem Erlöschen der Welt.

Die Buchdruckerkunst ist die letzte Flamme vor dem Auslöschen der Welt. (Luther, Tischreden)

Die Buchdruckerkunst ist die letzte und zugleich größte Gabe, denn durch sie sollte nach Gottes Willen dem ganzen Erdkreis die Sache der wahren Religion am Ende der Welt bekannt und in allen Sprachen verbreitet werden. Sie ist die letzte unauslöschliche (oder wohl besser: noch nicht erloschene) Flamme der Welt. (Luther, um 1525)

Nachtrag vom 27. 4. 2011: Inzwischen weiß ich die Antwort. Sie finden sie hier.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Zitat des Tages

Quis leget haec? (etwas frei übersetzt: Wer soll das Zeug lesen?)

Persius Flaccus

anlässlich der vielen Schriftrollenneuerscheinungen im alten Rom

Montag, 10. November 2008

Gedicht der Woche

Gib Leser nicht so sehr auf alle Fehler acht:
Noch nie ist wohl ein Buch und der so es gemacht,
und der es so gekauft und der es so gelesen -
von allen Fehlern frei gewesen!

Sebastian Friedrich Trescho

Donnerstag, 6. November 2008

Dienstag, 28. Oktober 2008

Neues aus dem Zitatekästchen übers Lesen

Es gibt kaum einen schlimmeren Einbruch in die Privatsphäre, als jemand beim Lesen eines Buches zu stören. (Johannes Gross)

Wer das Nichtstun ebenso wie die Arbeit scheut, findet leicht zum Buch. (Peter Brückner)

Der Leser hat's gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen. (Kurt Tucholsky)

Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel heraus gucken. (Lichtenberg)

Man sollte eigentlich nur das ein Buch nennen, was etwas Neues enthüllt. (Lichtenberg)

Eine neue Erkenntnis muß so gesagt werden, dass man glaubt, die Spatzen auf dem Dach hätten nur durch einen Zufall versäumt, sie zu pfeifen. (Karl Kraus)

Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. (Jean Paul)

Bücher sind Lebensmittel. (Peter Handke)

Ein Buch ist ein aufgeschobener Selbstmord. (E. M. Cioran)

In Gefängnissen bekommt man nur positive Literatur zu lesen. (Friedrich Dürrenmatt)

Ein klassisches Werk ist ein Buch, das die Menschen loben, aber nie lesen. (Ernest Hemingway)

… kein Zweifel, ein hochinteressantes, ein brillantes Buch. Ich habe es nach dreißig Seiten weggelegt, weil es unaussprechlich langweilig war. (Reich-Ranicki)

Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück. (Theodor Fontane)

Bücher finden von selbst ihren Weg … (Alexandr Iwanowitsch Herzen)

Dort ist meine Heimat, wo ich meine Bibliothek habe. (Erasmus von Rotterdam)

Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrößert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir Geschmack finden. (Ludwig Feuerbach)

Bücher sind bessere Freunde als Menschen; denn sie reden nur, wenn wir wollen, und schweigen, wenn wir anderes vorhaben. Sie geben immer und fordern nie. (Börries Freiherr von Münchhausen)

Das schlechteste Buch ist nicht so schlecht wie die völlige Gleichgültigkeit, die überhaupt nie ein Buch zur Hand nimmt. (Robert Walser)

Je mehr ich las, umso näher brachten die Bücher mir die Welt, umso heller und bedeutsamer wurde für mich das Leben. (Gorki)

Ein Buch hat oft auf eine ganze Lebenszeit einen Menschen gebildet oder verdorben. (Johann Gottfried Herder)

Mehr als das Gold hat das Blei in der Welt verändert. Und mehr als das Blei in der Flinte das im Setzkasten. (Georg Christoph Lichtenberg)

Die wirkliche Literatur ist nicht die, welche dem Leser schmeichelt, ihn in seinen Vorurteilen und Gewissheiten bestätigt, sondern die, die ihn bedrängt, ihn in Schwierigkeiten bringt und ihn zwingt, seine Welt und seine Selbstsicherheit zu überdenken. (Claudio Magris)

Bücher, die uns keine unterwürfige Amüsiertheit vermitteln, sondern in denen jeder Gedanke ein außergewöhnliches Wagnis darstellt, solche, die ein bequemer Mensch nicht lesen kann und die einen Ängstlichen nicht unterhalten würden, die uns für die herrschenden Institutionen sogar gefährlich machen - das nenne ich gute Bücher. (Henry David Thoreau)

Ich glaube, man sollte überhaupt nur Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

Ich erwarte von der Literatur ein Zerbrechen aller endgültig scheinenden Weltbilder. (Peter Handke)

Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen. (Heinrich Heine)

Gedicht der Woche

Bücher

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

Dort ist alles was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
Denn das Licht, danach du frugst,
In dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht
In den Büchereien,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt -
Denn nun ist sie dein.

Hermann Hesse

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Zitate übers Lesen

In Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit; die artikulirte hörbare Stimme der Vergangenheit, wenn ihr Leib und dingliches Wesen gänzlich wie ein Traum verschwunden ist. Mächtige Flotten und Heere, Häfen und Zeughäuser, weite Städte, kühn gebaut, kunstreich, – sie sind kostbar, groß, aber was wird aus ihnen? Agamemnon, die vielen Agamemnone, Perikles, und ihr Griechenland; das ist alles zu wüsten Trümmern zerfallen, stumme traurige Steinhaufen und Blöcke; aber die Bücher Griechenlands! Hier lebt buchstäblich das wahrhaftige Griechenland für jeden Denker; kann wieder ins Leben zurückgerufen werden. Keine zauberwirkende Rune ist wunderbarer als ein Buch. Alles, was die Menschheit gethan, gedacht, erlangt hat oder oder gewesen ist: es liegt wie in zauberartiger Erhaltung in den Blättern der Bücher aufbewahrt. Sie sind das auserlesene Besitzthum der Menschen. (Thomas Carlyle, Über Helden, Heldenverehrung und das Heldenthümliche in der Geschichte, S. 225)

Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seine Böden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken. (Hermann Hesse, Magie des Buches, S. 42)

Im Bett soll man nur leichte und unterhaltende Lektüre zu sich nehmen, sowie spannende und beruhigende, ferner ganz schwere, wissenschaftliche und frivole sowie mittelschwere und jede sonstige, andere Arten aber nicht. (Kurt Tucholsky, Wo lesen wir unsere Bücher?

Über jedem guten Buche muss das Gesicht des Lesers von Zeit zu Zeit hell werden. Die Sonne innerer Heiterkeit muß sich zuweilen von Seele zu Seele grüßen, dann ist auch im schwierigsten Falle vieles in Ordnung. (Christian Morgenstern, Stufen, S. 59)

Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zu Genuß und Belebung oder zu Erkenntnis und Belehrung. (Johann Wolfgang von Goethe, Goethe’s Werke, S. 494)

Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrößert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir Geschmack finden. (Ludwig Feuerbach, Frühe Schriften, Kritiken und Reflexionen, S. 556)

Nicht alle Bücher lesen sich auf die gleiche Art. Romane zum Beispiel sind dazu da, verschlungen zu werden. Sie lesen ist eine Wollust der Einverleibung. Das ist nicht Einfühlung. Der Leser versetzt sich nicht an die Stelle des Helden, sondern er verleibt sich ein, was dem zustößt. Der anschauliche Bericht davon aber ist die appetitliche Ausstaffierung, in der ein nahrhaftes Gericht auf den Tisch kommt. (Walter Benjamin, Illuminationen; siehe dazu auch http://juttas-zitateblog.blogspot.de/2012/08/walter-benjamin-uber-romane-lesen.html)

Merke: Es gibt nur sehr wenige Situationen jedes menschlichen Lebens, in denen man keine Bücher lesen kann, könnte, sollte …  Wo aber werden diese Bücher hergestellt? Das ist ein anderes Kapitel. (Kurt Tucholsky, Panter, Tiger & Co, S. 105)