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Mittwoch, 21. November 2012

»Rose ist eine Rose ist eine Zwiebel«, »Eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe« oder Wenn Freundschaft zerbricht


Wie das so ist, wenn Freundschaften zerbrechen – manchmal kommt es zu einem Kleinkrieg. Bei Ernest Hemingway und Gertrude Stein kam es, nachdem die kurze, aber enge und fruchtbare Freundschaft zwischen ihnen zerbrochen war, weil Hemingway unter anderem Werke guter Freunde Gertrude Steins parodierte, gleich zu einem literarischen Krieg (mehr zu dem Zerbrechen siehe http://www.lordjim.at/files/Hemingway_in_Paris.pdf).

Der Krieg begann damit, dass er ihr mit der Kapitelüberschrift »The Passing of a Great Race and the Making and Marring of Americans« (in Anlehnung an The Making of Americans (Wie Amerikaner gemacht werden)* in seiner Satire The Torrents of Spring (Die Sturmfluten des Frühlings) zu Stil und Inhalt von Gertrude Steins Freund Sherwood Andersons Roman Dark Laughter (Dunkles Lachen) einen Seitenhieb austeilte, woraufhin sie Hemingway in der Autobiography of Alice B. Toklas (Autobiographie von Alice B. Tolkas) wenig schmeichelhaft darstellte. Dieser wiederum konterte, indem er ihr ein Exemplar seines Buches Tod am Nachmittag (Death in the Afternoon) mit der Widmung schickte: »A Bitch Is A Bitch is A Bitch Is A Bitch« (Eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe) in Anlehnung an Rose is a rose is a rose is a rose (Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose).

Auch in seinem Roman Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls), der viele Jahre später, nämlich 1940, erschien, konnte er es nicht lassen:
Robert Jordan grinste mit vollem Munde. »Wie die Rosen«, sagte er. »Ganz wie die Rosen. Rose ist eine Rose ist eine Zwiebel.«
«Deine Zwiebeln verwirren dir den Verstand«, sagte Augustin.
»Gib acht!«
»Eine Zwiebel ist eine Zwiebel ist eine Zwiebel«, sagte Robert Jordan fröhlich. Und dachte: Ein Stein ist ein Kiesel, ist ein Fels, ist Geröll, ist Granit.

(Nach einer anderen, besseren Übersetzung:  »Ein Stein ist ein Stein, ist ein Fels ist ein Felsblock ist ein Kiesel«)

»What hast thou against the onion?«
»The odor. Nothing more.« Robert Jordan grinned at him with his mouth full. »A rose is a rose is an onion.«
»Thy onions are affecting thy brain,« Agustín said.
»Take care.«
»An onion is an onion is an onion,« Robert Jordan said cheerily and, he thought, a stone is a stein is a rock is a boulder is a pebble.


(Wem die Stunde schlägt. Fischer 1954, S. 357f.)
Wie und ob Gertrude Stein darauf reagierte, ist nicht überliefert. Zumindest ist mir nichts bekannt.

* Hemingway hatte das Buch vor dem Zerbrechen der Freundschaft noch als ihr eigentliches Werk bezeichnet, und dass er und seinesgleichen nichts anderes tun sollten, als ihr Leben daran zu setzen, dass es auch veröffentlich wird (siehe K. Schnell: Gertrude Steins Einfluß auf andere amerikanische Schriftsteller, S. 9). In dem wenige Jahre nach seinem Tod erschienenen Erinnerungsbuch Paris – ein Fest fürs Leben (A Moveable Feast) schreibt er über dieses »unglaublich lange Buch«:
[Es] begann ganz prachtvoll, ging eine Zeitlang sehr gut weiter mit langen Strecken großer Brillanz, und dann ging es endlos in Wiederholungen weiter, die ein verantwortungsvollerer und weniger fauler Schriftsteller in den Papierkorb geworfen hätte.«

The book began magnificently, went on very well for a long way with great
stretches of great brilliance and then went on endlessly in repetitions that a more conscientious and less lazy writer would have put in the waste basket.
(S. 27)

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