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Freitag, 9. November 2012

Martin Luther über das Schreiberamt

Es meinen wol etliche / Das Schreiber ampt sey ein leicht geringe ampt. / Aber jm Harnisch reiten / Hitz / Frost / Staub / Durst vnd ander vngemach leiden / Das sey eine erbeit. Ja das ist das alte gemeine teglich Liedlin / das keiner sihet / wo den andern der Schuch drückt / Jderman fület allein sein vngemach / vnd gaffet auff des andern gut gemach. War ists / Mir were es schweer im Harnisch zu reiten / Aber ich wolt auch gern widderumb den Reuter sehen / der mir künde einen gantzen tag still sitzen / vnnd in ein Buch sehen / wenn er schon nichts sorgen / tichten / dencken noch lesen solt. Frage einen Cantzelschreiber / Prediger vnd Redener / was schreiben vnd reden für ein erbeit sey / Frage einen Schulmeister / was leren vnd Knaben zihen für erbeit sey. Leicht ist die Schreibfedder / das ist war / Ist auch kein Handzeug unter allen Handwercken bas zu erzeugen / denn der Schreiberey / Denn sie bedarff allein der Gense fittich / der man vmb sonst allent halben gnug findet / Aber es mus gleichwol das beste Stücke (als der Kopff) vnd das edleste Glied (als die Zunge) vnnd das höhest Werck (als die rede) so am Menschen leibe sind / hie herhalten vnd am meisten erbeiten / da sonst bey andern / entweder die Faust / Füss / Rucken / oder dergleichen Glied allein erbeiten / Vnd können da neben frölich singen vnnd frey schertzen / das ein Schreiber wol lassen mus. Drey Finger thuns (sagt man von Schreibern) Aber gantz Leib vnd Seel erbeiten dran.

Es meinen wohl etliche, das Schreiberamt sei ein leicht geringes Amt, aber im Harnisch reiten, Hitze, Frost, Staub, Durst und anderes Ungemach leiden, das sei Arbeit. Ja, das ist das alte gemeine tägliche Liedlein, das keiner sieht, wo den andern der Schuh drückt. Jedermann fühlt allein sein Ungemach und gafft auf des anderen gut Gemach. Wahr ists, mir wäre es schwer, im Harnisch zu reiten; aber ich wollte auch gern wiederum den Reiter sehen, der mir könnte einen ganzen Tag still sitzen und in ein Buch sehen, wenn er schon nichts sorgen, dichten, denken noch lesen sollte. Frage einen Kanzleischreiber, Prediger, Redner, was Schreiben und Reden für Arbeit sei; frage einen Schulmeister, was Lehren und Knaben Ziehen für Arbeit sei. Leicht ist die Schreibfeder, das ist wahr, ist auch kein Handzeug unter allen Handwerkern baß zu erzeugen, denn der Schreiberei, denn sie bedarf allein der Gänse Fittich, der man umsonst allenthalben genug findet. Aber es muß gleichwohl das beste Stück (als der Kopf) und das edelste Glied (als die Zunge), und das höchste Werk (als die Rede), so am Menschenleibe sind, hier herhalten und am meisten arbeiten, da sonst bei andern entweder die Faust, Füße, Rücken oder dergleichen Glieder allein arbeiten, und können daneben fröhlich singen und frei scherzen, das ein Schreiber wohl lassen muß. Drei Finger tuns (sagt man von Schreibern). Aber der ganze Leib und Seele arbeiten dran.

Martin Luther

(Predigt D.M.L. Das man Kinder zur Schulen halten solle. Anno XXX. In Der Fünffte Teil / aller Bücher und Schrifften des thewren seligen Mans Gottes / Doct. Marth. Lutheri. Steinmann 1588, S. 183)

Samstag, 18. August 2012

Jean Paul über seinen Ärger mit Vorreden

Es hat mich oft verdrüßlich gemacht, daß ich jeder Vorrede, die ich schreibe, ein Buch anhängen muß als Allonge eines Wechselbriefes, als Beilage sub litt. A–Z. Andern privatisierenden Gelehrten werden schon ganze Bücher fertig und lebendig aus der Wiege zugeschickt, und sie brauchen nichts daran zu hängen, als das goldene Stirnblatt der Vorrede, und nichts mehr an der Sonne zu machen, als die Aurora. Aber mich hat noch kein einziger Autor um eine Vorerinnerung ersucht, ob ich gleich schon seit einigen Jahren mehre Vorreden im Voraus verfasse und auf den Kauf ausarbeite, worin ich künftige Werke nach Vermögen erhebe. Ja, ein ganzes Münzkabinet von solchen Preismedaillen und Huldigungmünzen, die ich für fremde Verdienste mit den besten Rändelmaschinen ausprägte, steht mir immer vor Augen und läuft täglich höher an; daher schlag’ ich das Kabinet am Ende – es ist kaum anders zu machen – im Ganzen los, und gebe ein Buch voll bloßer präexistierender Vorreden – zu gedenklichen Werken – heraus.

Jean Paul

(Blumen-, Frucht-, und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs. In Jean Paul’s sämmtliche Werke. Reimer 1826, S. V f.)

Dienstag, 6. September 2011

Zitat des Tages

Aus vielen Skizzen endlich ein Ganzes hervorzubringen, gelingt selbst den Besten nicht immer.*


Johann Wolfgang von Goethe

(In Maximen und Reflexionen http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/maximen/1-19.htm)


*gilt auch für Schriftsteller!

Dienstag, 16. August 2011

Zitat des Tages

Die Aufgabe vieler Dichter-Generationen ist keine andere, als das Werkzeug blank zu erhalten.

Marie von Ebner-Eschenbach

(In Gesammelte Schriften von Marie von Ebner-Eschenbach: Bd. Aphorismen. 4. Aufl. Parabeln, Märchen und Gedichte. 3. Aufl. Paetel 1893, S. 72)

Mittwoch, 3. August 2011

Zitat des Tages: Schiller über den den grauen Alltag

Meine Seele wird getheilt; ich stürze aus meinen idealischen Welten, sobald mich ein zerrissener Strumpf an die wirkliche mahnt.

Friedrich Schiller

Auch: Meine Seele wird getheilt, beunruhigt; ich stürze aus meinen idealistischen Welten, sobald mich ein zerrissener Strumpf an die wirkliche mahnt. (http://www.wissen-im-netz.info/literatur/schiller/briefe/koerner/1785/08.htm)

Friedrich Schiller am 25. 3. 1785 an Ludwig Ferdinand Huber

(In Friedrich v. Schillers auserlesene Briefe in den Jahren 1781-1805. Webel 1835, S. 162)

Donnerstag, 13. Januar 2011

Zitat des Tages

Gänsefüßchen benutzen zweierlei Arten von Schriftstellern: die ängstlichen und die ohne Talent. Erstere erschrecken vor der eigenen Courage und Originalität, die zweiten, die irgendein Wort in Gänsefüßchen setzen, wollen damit sagen: Sieh mal, Leser, was für ein originelles, kühnes und neues Wort ich gefunden habe!

Tschechow (Briefe, 20. Oktober 1888)

Mittwoch, 3. November 2010

Vom Puch vnd dem Paradeyse von Von Docktor Martin Luther

IN DER LETZTEN ZEYT ist in teutschen landen grosze Unsitt aufgekommen, dasz teutsch geschribn vil Romanswercke geheyszene Schweynzereyen vorliegen, welche der GOttgefälligkeyt stark appruch thun.

So wirt in Frankfurth seyt jar und tag eyne schwartze Mess gefeyert, welche Puchmess geheyszen izt. So seyt mir nimant etwas gegen eyn fromm Püchlein, das mit Zihtaten und Sprichwortten gepfeffert izt. Doch diser Pücher sint lützel, da vorzuhglich Lugen-Kram vnd Teuffelsdreck gedrucket wirt. So iszt viel Püchel voll mit lustigen Brunsten, Sehnungen, Eyfersüchten, Butzwerck, Hahnreden, Hinter-Thür-und-Fenster-Visiten, Verzweifflungen, Seestürm, Gefangenschafften, Warsagerey vnd allen garstig Fluch vnd Possen, die gottlose Schreyberling mit Dinte auf Pergamentum brunzzen. weiterlesen

Quelle: NZZ FOLIO Die Zeitschrift der Neuen Zürcher Zeitung http://tinyurl.com/kurq4

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Tucholskys Vorsätze

Vorsätze

Ich will den Gänsekiel in die schwarze Flut tauchen. Ich will einen Roman schreiben. Schöne, wahre Menschen sollen auf den Höhen des Lebens wandeln, auf ihrem offenen Antlitz soll sich die Freiheit widerspiegeln …

Nein. Ich will ein lyrisches Gedicht schreiben. Meine Seele werde ich auf sammetgrünem Flanell betten, und meine Sorgen werden kreischend von dannen ziehen …

Nein. Ich will eine Ballade schreiben. Der Held soll auf blumiger Au mit den Riesen kämpfen, und wenn die Strahlen des Mondes auf seine schöne Prinzessin fallen, dann …

Ich will den Gänsekiel in die schwarze Flut tauchen. Ich werde meinem Onkel schreiben, daß ich Geld brauche.

anonym (Kurt Tucholsky)

(Ulk, 22. 11. 1907. In: Hering ist gut, Schlagsahne ist gut. Wie gut muss erst Hering mit Schlagsahne sein –! HörGutVerlag (o. J., o. S.)

Dienstag, 10. November 2009

Der Schriftsteller als Seher: Mein Mauerfallgedicht, gedichtet am 2. Juni 1987


Am 28. Mai 1987, dem Tag des Grenzsoldaten in der Sowjetunion, landete der 18-Jährige Mathias Rust* aus Wedel mit einem Flugzeug vom Typ Cessna 172 P[1] auf einer Brücke unweit des Roten Platzes in Moskau. Nach seinem Flug sagte er, dass er ihn für den „Weltfrieden“ und die „Verständigung zwischen unseren Völkern“ unternommen habe. Seine Aktion ist als „Landung auf dem Roten Platz“ in der ganzen Welt bekannt geworden.

*Weitere Infos zu ihm gibt es u. a. auch hier

Für meine Creative-Writing-Werkstatt, den „Lichterfelder Bleistiftspitzen“, in der wir uns Jahre lang jeden Montag trafen, um zu schreiben und uns im Schreiben fortzuentwickeln, war das natürlich ein willkommener Schreibanlass. Und so schrieb ich dieses Gedicht:

Landung auf dem Roten Platz in Moskau

Es war einmal eine Stadt
und um diese Stadt war eine Grenze
mit Stacheldraht und Todesstreifen
Wachtürmen – Bewachern

Und durch diese Stadt war eine Mauer gebaut
und sie trennte
Menschen, die eine Familie waren
Menschen, die Kollegen waren
Menschen, die sich liebten

Vorher gab es schon einmal
Lager – Städte fast –
mit Stacheldraht
Schäferhunden
Minen
Heute sind sie Museen, mit Blut getränkt

Und in einem fernen Land
stand eine große Mauer
die wurde gebaut
gegen die Eindringlinge
von den Ländern im Westen, im Norden

Und einst gab es eine Mauer,
die zerbrach durch den Klang von Trompeten

Menschen überwinden jede Mauer
– irgendwann –
jede Grenze
– irgendwann –
und Minengürtel
– irgendwann –
durch Mut
durch Liebe
durch Vernunft

Die Menschen aber aus jener Stadt
mit Todesstreifen und Mauer
waren noch nicht so weit
da war noch nicht genug Mut
genug Liebe
genug Vernunft

Dann war da einer
der flog mit einem Ballon
über die Grenze
ein anderer mit einem Flugzeug

Man muss nur eine Idee haben
einen Anfang machen
muss es wagen

Jene Stadt
sie gibt es noch
mit Mauer – Grenze – Stacheldraht
aber – wirklich noch lange?

Jutta Miller-Waldner

FLAUBERT schreibt im Juli 1853 an Louise COLET :
Ich habe heute einen großen Erfolg gehabt. Du weißt, daß wir gestern das große Glück hatten, Herrn Saint-Arnaud in unserer Mitte weilen zu sehen. Heute morgen habe ich im Journal de Rouen einen Satz des Bürgermeisters gefunden, der eine Rede auf ihn gehalten hat. Diesen Satz hatte ich am Tag vorher wörtlich in der Bovary geschrieben (in einer Rede des Präfekten auf der Landwirtschaftsausstellung). Es war nicht nur derselbe Gedanke, es waren nicht nur dieselben Wörter, sondern sogar dieselben Stilassonanzen. Ich verhehle nicht, daß solche Sachen mir Freude machen. Wenn die Literatur zu einer solchen Genauigkeit des Ergebnisses wie die exakten Wissenschaften kommt, ist das beachtlich.
Unsere Texte spiegeln eben nicht nur die Wirklichkeit, wie wir sie kennen, sondern antizipieren die Zukunft. Anlehnend an Auguste COMTES Prinzip: „Savoir pour prévoir“ – Wissen, um vorherzusehen – heißt es für den Schriftsteller: Schreiben, um vorherzusehen.

Sonntag, 8. November 2009

Link der Woche: Textanalyse-Tools


Auf https://www.schreiblabor.com/textlabor/statistic/* und http://www.stilversprechend.de/stil/bericht.html gibt es sehr empfehlenswerte Tools zur Textanalyse. Dabei werden außer der Zeichenzahl die Anzahl der Sätze, der Wörter pro Satz, der einzelnen Wörter und der unterschiedlichen Wörter ausgewertet, aber auch die der Silben insgesamt, der Silben pro Wort und der Kommata pro Satz. Außerdem werden bei beiden Anbietern lange Wörter und Sätze, Phrasen, Füllwörter (siehe auch hier) und Anglizismen ausgewertet und vor allem markiert. Bei stilversprechend.de werden außerdem Satzanfänge mit „Es“ (sehr empfehlenswert!), Passivsätze sowie Redundanzen (siehe auch hier) angezeigt. Fehlt eigentlich bei beiden nur noch die Angabe der Substantive.

Bei der Auswertung meines Textes fand schreiblabor.de 12 Füllwörter, stilversprechend.de dagegen nur eine Redundanz. Das kann aber auch daran liegen, dass schreiblabor.de zusätzlich zur Textanalyse einen Füllwörter-Test anbietet, bei dem 264 Füllwörter berücksichtigt werden (in meiner Giftliste habe ich nur 200 aufgeführt). Interessant dabei ist, dass Sie Ihr Ergebnis mit dem von Leseproben bekannter Autoren vergleichen können.

Die Auswertung bei schreiblabor.de ist insgesamt ausführlicher als die bei stilversprechend.de. Allerdings werden dort nicht soviele „Stilsünden“ berücksichtigt wie bei stilversprechend.de.

Das Besondere an beiden Seiten ist aber der Lesbarkeitsindex, der mit dem Flesch Reading Ease, auch Flesch-Grad genannt, berechnet wird. Gut verständliche Texte weisen einen Wert von etwa 60 bis 70 auf (einfach = Anleitungen, Rezepte, Belletristik).

Auf beiden Seiten wird der Flesch-Grad, den Toni Amstad für deutsche Texte in seiner Dissertation „Wie verständlich sind unsere Zeitungen?“ (Zürich 1978) entwickelt hat, angegeben. Dabei berechnete er vor allem den Wortfaktor neu, da die deutschen Wörter im allgemeinen länger sind als englische; die Sätze sind in beiden Sprachen etwa gleich lang.

Schreiblabor.de berechnet zusätzlich zum Flesch-Grad für deutsche Texte den für englische, außerdem den Kincaid Grade Level sowie die 1., 2., 3. und 4. Wiener Sachtextformel für die Lesbarkeit (nähere Angaben zu den einzelen Verfahren finden Sie hier).

Auf http://www.leichtlesbar.ch/html/faq.html gibt es Fragen und Antworten zur Flesch-Formel. Dort können Sie ebenfalls Ihren Text auf Lesbarkeit überprüfen lassen, allerdings ohne die Zusatzfunktionen der anderen beiden Anbieter, außerdem wird nur der Flesch Reading Ease für englische Texte berücksichtigt. Die Begründung erfahren Sie hier.

Übrigens: bei http://blog.stilversprechend.de/ können Sie mit seitenreport.de Ihre Webseite nach Zugriffszahlen, der technischen Qualität und Benutzerfreundlichkeit, aber auch auf Lesbarkeit analysieren lassen. Sie erhalten den Flesch-Wert samt Erläuterung. Mit dem Flesch-Widget können Sie auf Ihrer Webseite oder Ihrem Blog den aktuellen Flesch-Wert anzeigen lassen.

Warnung: Die Lesbarkeitsformel hat nichts mit dem Inhalt und der Qualität des Textes zu tun. Dabei können nur Testleser oder Lektoren helfen. Ein Tool dafür gibt es meines Wissens (noch) nicht.

Eine Textanalyse auf Füll- oder Unwörter gibt es auch im e-Lektorat von letter-factory.com. Wobei ich grundsätzlich gegen den Ausdruck Unwörter bin. Füllwörter müssen nicht überflüssig sein, denn  sparsam(!) angewandt geben sie einem Text die Würze, die er braucht, um nicht eintönig zu wirken, oder, da Sprache immer auch Musik ist: Sie können einen Text melodisch machen und ihm einen Rhythmus geben. Und nicht zuletzt können sie ihm eine unbeabsichtigte Schärfe nehmen.

*Der auf autorenlektorat.com angebotene Füllwörtertest (http://www.autorenlektorat.com/fuellwoerter/) und der ebenfalls dort angebotene Textanalysetool (http://www.autorenlektorat.com/textanalyse/) sind mit denen auf schreiblabor.com identisch. Beide Sites gehören denselben Betreibern.

Weitere Textanalyse-Tools habe ich hier beschrieben: http://juttas-schreibblog.blogspot.com/2009/04/tool-zum-anzeigen-von-fullwortern.html für Füllwörter und http://juttas-schreibblog.blogspot.com/2009/04/tool-zum-anzeigen-von.html für Wortwiederholungen (auch Wortdoppelungen oder Wortdopplungen** genannt).

**beide Versionen nur wegen der Suchmaschinen erwähnt … Laut Duden ist die Schreibung Wortdopplungen richtig.

http://www.canoo.net/services/GermanSpellingChecker/ueberblick/index.html bietet eine kostenlose Rechtschreibprüfung an.

Auf WriteWords gibt es für englische Texte einen Word Frequency Counter und  einen Phrase Frequency Counter. Das im Kommentar von anonym empfohlene TextLab bietet die kostenpflichtige TextLab-Analyse-Software mit vielen zusätzlichen Funktionen an, die aber eher für die Unternehmenskommunikation gedacht ist.

In dem Zusammenhang wichtig ist der Hinweis von schreiblabor.com (der Name hat übrigens nichts mit mir zu tun) und autorenlektorat.com, dass die Analysen nicht lokal auf dem eigenen Browser durchgeführt werden,  sondern zu deren  Server übertragen, mittels eines Perl-Scripts geprüft und wieder zurückgesandt werden. Sie könnten den Text also speichern. Sie garantieren aber, dass das nicht tun werden. Wie das bei den anderen Anbietern ist, weiß ich nicht, ist aber eine Überlegung wert, wenn man Angst hat, dass sein Text anderweitig verwendet wird

Sollte es noch mehr solcher Textanalyse-Tools geben, bin ich für Hinweise sehr dankbar

Inzwischen habe ich ein ähnliches Tool entdeckt, das BlaBlaMeter. Allerdings wird dort nur "schonungslos" entlarvt, „wieviel heisse Luft sich in Texte eingeschlichten hat“ und der „Bullshit-Index“ errechnet.  Das ist doch ein bisschen wenig, weil nicht angegeben wird, was denn nun am Text heiße Luft ist. Aber da dieses Tool offensichtlich neu ist, wird sicher bald eine bessere Version zur Verfügung stehen. Zu empfehlen ist es jedenfalls im Moment noch nicht.

Zitat des Tages

Begabung ist ein schrecklich billiges Zubehör, billiger als Tafelsalz. Was den begabten Menschen vom erfolgreichen unterscheidet, ist eine Menge harte Arbeit und lernen.

Stephen King

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Link der Woche: Geschichtsirrtümer


Sie schreiben einen historischen Roman? Viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben. Aber: Je fremder das Milieu, je ferner die Epoche, je unbekannter der Alltag, das Verhalten und die Technik, umso mehr müssen Sie nachforschen. Es genügt nicht, die Figuren anders zu kleiden, die Charaktere und die Handlung gut auszuführen. Ihr Text wirkt erst authentisch, wenn Sie die Welt, von der Sie erzählen, und die Figuren in ihr vor sich sehen. Wenn Sie nur Allgemeines zu schreiben wissen, rutschen Sie ins »Aschgrau-Langweilige«, wie Ludwig Reiners so schön sagt, ab. Doch andererseits sollten Sie nicht an allem »kleben«, was Sie erfahren haben, verlieren Sie sich nicht in Einzelheiten. Wichtig sind die Motive und Schattierungen jener Zeit.

Recherchieren Sie also, bevor Sie einen Roman schreiben, der im Mittelalter spielt: Wie sahen die Räumlichkeiten im Jahr Eintausendeins aus? Wie kleideten sich die kleinen Kaufleute, welche Tracht trug ein spanischer Höfling? Aus welchem Material waren Beinkleider und Kittel gearbeitet? Was aß man bei Hofe? Berücksichtigen Sie auch, dass die Menschen früher religiöser waren und Mythen ihren Alltag mehr als uns heute prägten.

FONTANE notierte, als er seinen Roman Die Likedeeler »(Likedealer, Gleichteiler, damalige denn es spielt Anno 1400 – Kommunisten), eine Gruppe von an Karl Moor und die Seinen erinnernden Seeräubern, die unter Klaus Störtebeker fochten und 1402 auf dem Hamburger Grasbrook en masse hingerichtet wurden«* (der leider ein Fragment blieb) plante, folgende Fragen:

»1. Wie sah ein Schiff Anno 1400 aus?
2. Wie waren die Kostüme der Seeleute?
3. Wie waren die Kostüme der Dorfleute, auch die kleiner Krämer?
4. Wie war die Tracht eines Abts, eines Priors, wenn er sozusagen in Schlafrock und Pantoffeln war?
5. Wie war das Kostüm eines Schiffsführers, eines Capitains oder Admirals?
6. Wie war das Kostüm eines friesischen Häuptlings im Kriege und friedlich daheim?
7. Wie trug sich die Tochter eines solchen Häuplings? Ist es denkbar, daß sie eine Art Klostertracht (erzogen in einem Kloster) beibehielt?
8. Wie war ein maurischer Knabe ungefähr gekleidet?
9. Wie ist die Ansprache an einen Propst? Ehrwürdiger Vater oder dergleichen?«
Mehr dazu hier

Wo Sie recherchieren können? Natürlich über Google, aber auch auf der Seite über Geschichtsirrtümer: http://geschichtsirrtuemer.teucom.net/wp/. Denn, so steht es im Begrüßungstext:
Ein Ritter kann nicht ein Pferd für den Preis von zwei Kühen kaufen, sich mit einem eisernen Schild, einem Streitkolben und einer stählernen Ritterrüstung eindecken, von seinem einzigen Diener, dem Knappen, per Kran in die Steigbügel heben und sodann in gestaffelter Formation in die Schlacht gegen die Phalanx der barbarischen Kelten galoppieren, denn so war es einfach damals nicht. Die oben geschilderte Szene enthält zum Beispiel bezogen auf die "echte Welt" ganze dreizehn sachliche Fehler. Verwundert? Wenn ja, dann schmökern Sie bei uns mal ein bisschen …"
Zum Recherchieren allgemein siehe auch http://juttas-schreibtipps.blogspot.com/search/label/Recherche

Donnerstag, 23. Juli 2009

Interessanter Beitrag zu Plagiaten: "Nicht jeder Dieb gehört hinter Gitter"

"Geklaut wurde schon immer. Nur die Bewertung des literarischen Plagiats hat sich verändert. Wie, das erzählt der ETH- Germanist Philipp Theisohn auf höchst originelle Art." weiterlesen
Schon die alten Griechen . . . nein, dieser Satz ist ein Rausschmeisser. Lieber gleich zu den Römern: Die bauten ihre ganze Kultur auf der griechischen auf. «Kein römischer Komödienschreiber, Philosoph, Historiker oder Rhetoriker macht einen Hehl daraus, dass er sich bei den Griechen bedient», schreibt Theisohn. Und niemand macht ihnen einen Vorwurf daraus, im Gegenteil: Ein griechischer Autor als Vorlage ist ein Garant für Qualität. Die qualitätsvolle Nachahmung nennen die römischen Theoretiker «imitatio», und als Grösster in dieser Kunst gilt ihnen Vergil. Der hat von Homer das Beste genommen und etwas Eigenes daraus gemacht.
Quelle: http://bazonline.ch

Montag, 29. Juni 2009

Rauschblüten: Über über den Einfluss von Drogen auf Werk und Leben von Schriftstellern

Jörg Auf dem Hövel

"Interview mit dem Literaturwissenschaftler Stephan Resch über den Einfluss von Drogen auf Werk und Leben von Schriftstellern

Stephan Resch ist Dozent für deutsche Sprache an der Universität von Auckland, Neuseeland. Jüngst hat er in dem Band 'Rauschblüten' eine Sammlung von Textausschnitten vorgelegt, in denen Drogen oder der Rausch eine zentrale Rolle spielen. Neben eher bekannten Werken wie Bernward Vespers 'Die Reise' und Jörg Fausers 'Rohstoff' haben auch unbekanntere Texte und literarische Schmuckstücke Eingang gefunden. Im Interview erzählt Resch von den Problemen der Künstler, mit dem Rausch richtig umzugehen, literarischen Drogenutopien und der neuen deutschen Literatur." weiterlesen

Quelle: http://www.heise.de/tp/

Samstag, 23. Mai 2009

Zitat des Tages

Ich bekomme dauernd Aufsätze zu Gesicht, in denen Schriftsteller sich darüber auslassen, daß sie grundsätzlich nie auf Inspiration warten; sie setzen sich einfach jeden Morgen um acht an ihren kleinen Schreibtisch, ob's regnet oder ob die Sonne scheint, ob sie einen Kater haben oder einen gebrochenen Arm oder was weiß ich sonst, und knallen ihr bißchen Pensum hin. Wie leer ihr Kopf auch sein mag und wie öde alles, was ihnen durch die Gedanken trudelt, mit solchem Quatsch wie Inspiration haben sie nichts im Sinn. Ich entbiete ihnen meine Bewunderung und gehe ihren Büchern sorgfältig aus dem Wege.

Ich hingegen, ich warte auf Inspiration, obwohl ich sie nicht unbedingt bei diesem Namen nenne. Ich glaube, daß alles Schreiben, das auch nur etwas Leben in sich hat, aus dem Solarplexus kommt. Es ist harte Arbeit insofern, als man hinterher todmüde sein kann, sogar total erschöpft. Im Sinne bewußter Bemühung freilich ist es überhaupt keine Arbeit. Wichtig ist dabei vor allem eins: der Berufsschriftsteller sollte einen bestimmten Zeitraum haben, sagen wir mindestens vier Stunden am Tag, wo er nichts anderes tut als schreiben. Er muß nicht unbedingt schreiben, und wenn ihm nicht danach ist, dann sollte er's auch nicht versuchen. Er kann aus dem Fenster schauen oder einen Kopfstand machen oder sich auf dem Fußboden schlängeln, aber er soll nichts vollkommen anderes tun, soll nicht lesen, Briefe schreiben, in Zeitschriften blättern oder Schecks ausfüllen. Entweder schreiben oder gar nichts. Es ist das dieselbe Disziplin wie das Ordnunghalten in der Schule. Wenn man die Schüler so weit bringt, daß sie sich benehmen, werden sie auch was lernen, einfach schon um nicht der Langeweile zu verfallen. Ich finde, das funktioniert. Zwei ganz einfache Regeln: 1) Man muß nicht schreiben. 2) Man kann nichts anderes tun. Der Rest kommt von selbst.

Raymond Chandler

Freitag, 8. Mai 2009

Maigedicht III

Sehnsucht nach dem Frühling*

O, wie ist es kalt geworden
Und so traurig, öd' und leer!
Raue Winde weh'n von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht' ich fliegen,
Möchte seh'n ein grünes Tal,
Möcht' in Gras und Blumen liegen
Und mich freu'n am Sonnenstrahl;

Möchte hören die Schalmeien
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,
Lieber Frühling, komm doch bald,
Bring' uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!

Ja, du bist uns treu geblieben,
Kommst nun bald in Pracht und Glanz,
Bringst nun bald all deinen Lieben
Sang und Freude, Spiel und Tanz.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

*Wenn Sie die letzten beiden Maigedichte gelesen haben, die ich hier eingestellt hatte, wundern Sie sich vielleicht. Doch ja, Hoffmann von Fallersleben hat tatsächlich den Titel genommen, unter dem Mozart Overbecks Mai-Gedicht vertont hatte. Aber vielleicht ist es ja ein Antwortgedicht, denn er spricht davon, dass der Frühling wieder kommen soll. (Von dem Gedicht gibt es eine Vertonung von Hoffmann von Fallersleben selbst, die Achim Reichel in seine Volxlieder-CD aufgenommen hat. Er schreibt dazu: „Eins der ganz wenigen Lieder, die in einer Molltonart stattfinden. … Ich habe die original Akkorde übernommen und die Melodie nach meinem Geschmack verändert“ (www.achimreichel.de/home/timeline/volxlieder/volxlieder.html). Weitere Belege dafür, dass Hoffmann von Fallersleben das Gedicht vertont hat, habe ich leider nicht gefunden.)

Aber viele Dichterinnen und Dichter sind nicht allzu kreativ bei Titeln. So hießen bei einem kleineren Wettbewerb zum Thema »Sternstunde«, den ich vor einiger Zeit leitete, von fünfzig Gedichten acht schlicht und ergreifend Sternstunde beziehungsweise einen Tick kreativer Sternstunden und eins immerhin Sternstunden des Alters. Beliebt waren auch die Titel Traum, Unterwegs, Abschied, Wiedersehen, Begegnung und Bitte, vor allem aber die Erinnerung. Vermutlich wird vor allem bei diesem Titel kaum jemand das Gedicht lesen. Nennen Sie es aber »Erinnerung an brennende Stunden«, wird der Leser neugierig. Was sagen Titel wie Erinnerung an einen schönen Abend oder Erinnerung an einen Morgen aus? Nichts. Frühlingserwachen, Frühlingslied, Frühlingssehnsucht – viel zu oft gelesen.

Dienstag, 5. Mai 2009

Donnerstag, 30. April 2009

Über Wissenschaftssprache: Wie die Uni uns versaut

Von Serge Debrebant

„Studenten glauben, dass schlau wirkt, wer kompliziert schreibt. Wie konnte das passieren? Eine Erklärung Wer mit Fremdwörtern um sich wirft, will meist anderen imponieren

Neulich habe ich meine Abschlussarbeit weggeworfen. Romanistik, eine Abhandlung über einen Dichter des 16. Jahrhunderts. Ich zog um, brauchte Platz und war froh, als ich sie los war. Die Arbeit steht für fünf verschenkte Monate und liest sich so, wie ich mich beim Schreiben gefühlt habe. 68 Seiten Langeweile.

Vielen meiner Freunde ging es so. Statt klares Deutsch zu schreiben, erlagen wir der »Faszination des Unverständlichen«. Die Formulierung stammt von Wolf Wagner, Professor für Sozialwesen in Erfurt, der in seinem Ratgeber Uni-Angst und Uni-Bluff heute beschreibt, wie die Uni intellektuelle Hochstapler heranzieht. Sie bluffen, weil sie Angst haben, sich zu blamieren, und drücken sich so kompliziert wie möglich aus, weil sie hoffen, dass ihre Leser komplex mit kompliziert verwechseln.

Das klingt dann so: »Die Applikation der Dialektologie im Bereich der Kulturraumforschung wie Volks- und Landeskunde basiert auf einer Adaption der diatopischen Betrachtungsweise und der damit verbundenen kartographischen Darstellungsverfahren sowie auf der hilfsdisziplinären Funktion dialektaler Erscheinungen im Rahmen kulturgeographischer Untersuchungen und führt generell zu einer Stützung kulturanthropologisch-geographischer Aussagen.« Alles klar?" weiterlesen


Allen Schreibern nicht nur von wissenschaftlichen Werken sei das folgende aus dem Artikel mit auf den Weg gegeben:

Dann klingen die Haus- und Diplomarbeiten an deutschen Hochschulen, als hätten alle ein Lehrbuch für Rhetorik gelesen und sich darauf geeinigt, die Ratschläge in ihr Gegenteil zu verkehren. Fremdwörter sind elitär? Ein Grund mehr, sie zu benutzen! Verben machen einen Text lebendig? Dann nehmen wir doch lieber Hauptwörter – zum Beispiel »Dekonstruktion«! Dazu noch Schachtelsätze und Satzgirlanden.
Quelle: http://www.zeit.de/

Aber zum Glück bemühen sich inzwischen auch Sach-/Fachbuchautoren und auch viele Wissenschaftler, so verständlich zu schreiben, dass auch Nichteingeweihte ihre Texte verstehen. Mittlerweile werden Kurse für das Schreiben von Nonfiction angeboten und gibt es gute Bücher, die jeder, der verständlich schreiben will, auf seinem Schreibtisch stehen haben sollte: Lutz von Werders "Kreatives Schreiben in den Wissenschaften" und Umberto Ecos „Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt“. jmw

Montag, 6. April 2009

Umfrage: Jeder vierte Befragte aus dem öffentlichen Dienst bezeichnet Rechtschreibung als "unwichtig"

Pressemeldung

Ergebnisse der Dudenumfrage: "Wie wichtig ist eine korrekte Rechtschreibung in Behörden und öffentlichen Einrichtungen?"

Mannheim, 06.04.2009

Erstaunliche Ergebnisse brachte die von Dezember 2008 bis Januar 2009 durchgeführte Umfrage des Dudenverlags: Sie richtete sich an Mitarbeiter aus dem öffentlichen Bereich und widmete sich dem Thema: "Wie wichtig ist eine korrekte Rechtschreibung in Behörden und öffentlichen Einrichtungen?". Nur rund zwei Drittel der insgesamt 581 Teilnehmer waren der Ansicht, dass eine fehlerfreie Orthografie in Gesetzestexten "wichtig" oder "sehr wichtig" sei (71,9 %). Ähnlich bewertet wurde die Frage nach einer einwandfreien Rechtschreibung in selbst verfassten Texten (64,5 %), in Dokumenten, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (66,4 %) und in Texten, in denen öffentliche Stellen mit Bürgern kommunizieren (63,9 %, s. Abb. 1). weiterlesen

Quelle: Pressemeldung des Dudenverlages an schreiblabor@gmail.com