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Mittwoch, 13. Februar 2013

Zitat der Woche: „Nur wenn man sitzt, kann man denken und schreiben“


Dieses Zitat von Friedrich Nietzsche gehört zu den berühmten Zitaten, die in diverse Sprachen wie Englisch, Französisch, Italienisch, Littauisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch, Spanisch und Tschechisch übersetzt wurden:

On ne peut penser et écrire qu’assis (Flaubert) [Nur wenn man sitzt, kann man denken und schreiben] – Damit habe ich dich, Nihilist! Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Werth.

(In Der Fall Wagner. Götzen Dämmerung. Nietzsche contra Wagner. Umwerthung alle Werthe. Dichtungen, 1906, S. 66)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ [One cannot think and write except when seated] (G. Flaubert). There I have caught you, nihilist! The sedentary life is the very sin against the Holy Spirit. Only thoughts reached by walking have value.
(http://www.davemckay.co.uk/philosophy/nietzsche/nietzsche.php?name=nietzsche.1889.twilightoftheidols.kaufmann.01)

On ne peut penser et écrire qu’assis (G. Flaubert). Je te tiens là, nihiliste! Rester assis, c’est là  précisément le péché contre le Saint-Esprit. Seules les pensées qui vous viennent en marchant ont de la valeur.
(http://tinyurl.com/asforzp)


„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert). – Ti tengo ormai, nichilista! Il sedere di pietra è proprio il peccato contro lo spirito aanto. Soltanto i pensieri nati camminando hanno valore.
(http://www.unibg.it/dati/bacheca/434/52916.pdf)


(auch Ecco che ti ho, nichilista! Star seduti è appunto il peccato contro lo spirito santo. Solo i pensieri che hanno camminato hanno valore. http://de.scribd.com/doc/102049635/Friedrich-Nietzsche-Crepuscolo-Degli-Idoli)
 

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert). – Štai ir pagavau tave, nihiliste! Kaip tik sėslumas yra n u s i ž e n g i m a s šventajai dvasiai. Tik i š v a i k š č i o t o s mintys vertingos.
(http://www.patariu.lt/studijos/2009/01/frydrichas-nyce-stabu-saulelydis/)


 „On ne peut pas penser et écrire qu´assis“ (Man kan kun tænke og skrive siddende) (G. Flaubert) – Her har jeg dig, nihilist! At sidde på sin flade røv er netop synden mod den hellige ånd. Kun de tanker, man har gået sig sig til, har værdi.
(http://jimeglinhansen.com/category/rejsen-mod-mig-selv/)


„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G.  Flaubert). É assim que te pego, Niilista!  A pachorra é justamente o pecado contra o Espírito Santo.  Só os pensamentos que surgem em movimento têm valor.
(http://www.ufrnet.br/~tl/otherauthorsworks/nietzsche_crepusculo_dos_idolos.pdf

 „On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert) [Tylko siedząc, można myśleć i pisać.]  – Mam cię, nihilisto! Przesiadywanie jest właśnie  g r z e c h e m  przeciwko Duchowi Świętemu. Wartość mają jedynie te myśli, które człowiek  w y c h o d z i ł.
(http://www.satan.pl/nietzsche.php?id=158)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert). – Aici te-am prins, nihilistule! Carnea ve[s]nic st[a]tut[a]l e tocmai p[a]catul împotriva sfîntului duh. Valoare au numai ideile dup[a] care ai umblat. 
(https://sites.google.com/site/nccmn14/nietzsche---amurgul-idolilor

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (Г.Флобер). – Вот я и поймал тебя, нигилист! Усидчивость есть как раз грех против духа святого. Только выхоженные мысли имеют ценность.
(http://www.nicshe.velchel.ru/index.php?cnt=21&sub=1)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (Flaubert). [No se puede pensar ni escribir más que sentado] ¡Ah, nihilista! El trasero es precisamente el pecado contra el espíritu santo. Sólo tienen valor los pensamientos pensados en camino. 
(http://www.taringa.net/posts/info/6310133/Frases-de-Friedrich-Nietzsche.html)

(auch Con esto te tengo, nihilista! La carne del trasero es cabalmente el pecado contra el espíritu santo. Sólo tienen valor los pensamientos caminados. http://www.paginasobrefilosofia.com/html/crepus1.html)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert) – Nu har jag dig, nihilist! Sittfläsket är själva synden mot den helige ande. Bara rörliga tankar är något värda.
(http://www.skarv.se/ij/FNToP.htm)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert) Tím jsem tě dostal, nihilisto! Usedlost je přímo hřích proti duchu svatému. Jen vychozené myšlenky mají hodnotu.
(http://polarniliska.webpark.cz/soumrak.html)


Nur – wo und wann hat Gustave Flaubert diesen von Nietzsche vielzitierten Satz gesagt? – Leider scheine ich die einzige zu sein, die sich das gefragt hat. – Tja, offensichtlich hat ihn Guy de Maupassant in seiner Flaubert-Studie dem Schriftsteller in den Mund gelegt. Denn er schreibt:
Von Kind an zeigte er zwei auffallende Charakterzüge, die er immer bewahrt hat: eine große Naivität und die Abscheu vor jeder körperlichen Handlung. Sein ganzes Leben blieb er naiv und seßhaft. Er konnte es nicht ohne wild zu werden vertragen, daß man in seiner Nähe herumging oder sich sonst rührte; und dann erklärte er mit seiner bissigen, tönenden und immer ein wenig theatralischen Stimme: daß dieses nicht philosophisch sei. „Man kann nur denken und schreiben, wenn man sitzt“, sagte er.
(In Gustave Flauberts Gesammelte Werke: Madame Bovary. Sittenbilder aus der Provinz. Bruns o.J. [um 1920], S. viii)

Dès sa première enfance, les deux traits distinctifs de sa nature furent une grande naïveté et une horreur de l'action physique. Toute sa vie, il demeura naïf et sédentaire. Il ne pouvait voir marcher ni remuer autour de lui sans s'exaspérer; et il déclarait, avec sa voix mordante, sonore et toujours un peu théâtrale, que cela n'était point philosophique. „On ne peut penser et écrire qu'assis“, disait-il.
(Flaubert vu par Guy de Maupassant en 1884 http://jb.guinot.pagesperso-orange.fr/pages/maupassant84a.html)
Eine Originalquelle habe ich leider nicht gefunden.

Dass solche Worte nicht unkommentiert bleiben können, ist verständlich. Denn prompt spöttelt der Pianist, Kabarettist und Schriftsteller Ernst Woldemar Sacks in seinen Erinnerungen Kabarett des Lebens:
„Nur beim Sitzen kann man denken und schreiben“ (On ne peut penser et écrire qu'assis) sagt Flaubert, wohingegen Nietzsche meint, daß „nur ergangene Gedanken wert haben“. Ich schlage einfach ein – entschuldigen Sie das harte Wort – gemäßigten Stuhlgang vor, d.h. man binde oder klebe sich hinten einen Stuhl an und gehe mit Nietzscheschen Gedanken auf und ab; kommen einem Flaubertsche Gedanken, dann kann man sich sofort auf denselben Fleck, wo man eben stand, setzen.
(Zitiert nach http://www.aphorismen.de/zitat/127183)

Sonntag, 9. Dezember 2012

Plinius der Ältere über die Ausbeutung der Erde, den Teilnehmern am Klimagipfel in Doha ins Stammbuch geschrieben


Der Satz

„Was für ein Ende soll die Ausbeutung der Erde in all den künftigen Jahrhunderten noch finden? Bis wohin soll unsere Habgier noch vordringen?“

stammt nicht etwa von heute, sondern das fragte sich bereits Plinius der Ältere vor zweitausend Jahren angesichts des Raubbaus vor allem durch den römischen Bergbau in Spanien auf der Jagd nach Reichtum (siehe dazu auch „Kannte die Antike ein Umweltbewusstsein?“ und „Umweltverhalten in der Antike").

Aber das Zitat ist etwas aus dem Zusammenhang gerissen, und es ist wichtig, ihn zu kennen. Denn Plinius schreibt:
Von den Metallen, den Schätzen selbst und von den Werten der Gegenstände wird nun gesprochen werden, da unsere einzige Sorge das Innere der Erde auf vielfache Weise durchsucht; hier nämlich durchgräbt man sie auf der Jagd nach Reichtum, weil die Welt nach Gold, Silber, Elektron und Kupfer verlangt, dort der Prunksucht zuliebe nach Edelsteinen und Färbemitteln für Wände und Holz, anderswo um verwegenen Treibens willen nach Eisen, das bei Krieg und Mord sogar noch mehr geschätzt wird als das Gold. Wir durchforschen alle ihre Adern und leben auf ihr dort, wo sie ausgehöhlt ist, wobei wir uns noch wundern, dass sie zuweilen birst oder zittert, wie wenn dies nicht in Wahrheit aus dem Unwillen der heiligen Mutter Erde gedeutet werden könnte. Wir dringen in ihre Eingeweide und suchen am Sitz der Schatten nach Schätzen, gleichsam als wäre sie dort, wo sie betreten wird, nicht genügend gütig und fruchtbar; und am wenigsten durchwühlen wir sie dabei der Heilmittel wegen, denn wie vielen ist schon die Heilkunde ein Grund zum Graben? Und doch bietet sie auch diese Gabe an ihrer Oberfläche wie Früchte, freigebig und bereitwillig in allem, was überhaupt Nutzen bringt. Nur das vernichtet uns, nur das treibt uns zur Unterwelt, was sie verborgen und versenkt hat, nur das, was allmählich entsteht, so dass der ins Leere emporstebende Geist bedenken mag, was für ein Ende ihre Ausbeutung in all den Jahrhunderten finden und bis wohin die Habgier noch vordringen soll.* (kursiv jmw) Wie unschuldig, wie glücklich, ja sogar wie köstlich wäre das Leben, wenn die Menschheit nichts anderwoher als über der Erde zur Erfüllung ihrer Wünsche suchte, kurz, nur das, was sie umgibt."
(http://www.zeit.de/2008/41/N-Erdwaerme/seite-3)
*Nach einer anderen Übersetzungen auch:
Was die Erde verborgen und und in sich eingeschlossen hat, was nicht plötzlich entsteht – wie ein zur Dummheit neigender Geist meinen könnte – das verdirbt uns und treibt uns in die Vernichtung. Wo soll das mit ihrer Ausbeutung noch enden, bis wohin soll die Habgier noch vordringen? (http://www.pageorama.com/?p=igel)
Metalla nunc ipsaeque opes et rerum pretia dicentur, tellurem intus exquirente cura multiplici modo, quippe alibi divitiis foditur quaerente vita aurum, argentum, electrum, aes, alibi deliciis gemmas et parietum lignorumque pigmenta, alibi temeritati ferrum, auro etiam gratius inter bella caedesque. Persequimur omnes eius fibras vivimusque super excavatam, mirantes dehiscere aliquando aut intremescere illam, ceu vero non hoc indignatione sacrae parentis exprimi possit.
Imus in viscera et in sede manium opes quaerimus, tamquam parum benigna fertilique qua calcatur. Et inter haec minimum remediorum gratia scrutamur, quoto enim cuique fodiendi causa medicina est? Quamquam et hoc summa sui parte tribuit ut fruges, larga facilisque in omnibus, quaecumque prosunt.
Illa nos peremunt, illa nos ad inferos agunt, quae occultavit atque demersit, illa, quae non nascuntur repente, ut mens ad inane evolans reputet, quae deinde futura sit finis omnibus saeculis exhauriendi eam, quo usque penetratura avaritia. Quam innocens, quam beata, immo vero etiam delicata esset vita, si nihil aliunde quam supra terras concupisceret, breviterque, nisi quod secum est!

Our topic now will be metals, and the actual resources employed to pay for commodities—  resources diligently sought for in the bowels of the earth in a variety of ways. For in some places the earth is dug into for riches, when life demands gold, silver, silver-gold, and copper, and in other places for luxury, when gems and colours for tinting walls and beams are demanded, and in other places for rash valour, when the demand is for iron, which amid warfare and slaughter is even more prized than gold. We trace out all the fibres of the earth, and live above the hollows we have made in her, marvelling that occasionally she gapes open or begins to tremble—as if it were not possible that this may be an expression of the indignation of our holy parent! We penetrate her inner parts and seek for riches in the abode of the spirits of the departed, as though the part where we tread upon her were not sufficiently bounteous and fertile. And amid all this the smallest object of our searching is for the sake of remedies for illness, for with what fraction of mankind is medicine the object of this delving? Although medicines also earth bestows upon us on her surface, as she bestows corn, bountiful and generous as she is in all things for our benefit! The things that she has concealed and hidden underground, those that do not quickly come to birth, are the things that destroy us and drive us to the depths below; so that suddenly the mind soars aloft into the void and ponders what finally will be the end of draining her dry in all the ages, what will be the point to which greed will penetrate. How innocent, how blissful, nay even how luxurious life might be, if it craved nothing from any source but the surface of the earth, and, to speak briefly, nothing but what lies ready to her hand.
(http://archive.org/stream/naturalhistory09plinuoft/naturalhistory09plinuoft_djvu.txt)

(In Naturalis historia (Die Naturgeschichte des Gaius Plinius Secundum; Natural History), Liber XXXIII, i, 1–3, http://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/Roman/Texts/Pliny_the_Elder/33*.html

Und resigniert stellt er fest:

„Sie [die Bergleute] schauen als Sieger auf die Zerstörung der Natur.“

Spectant victores ruinam naturae.

The miners gaze as conquerors upon the collapse of Nature.“
(http://archive.org/stream/naturalhistory09plinuoft/naturalhistory09plinuoft_djvu.txt)

山師たちは征服者のように自然の崩壊を凝視する.“
(http://blog.goo.ne.jp/irienohotori/e/144cf2d3429a1bd99cdfdca3538bd4c3)

(Naturalis historia, 33, xxi, 73, http://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/Roman/Texts/Pliny_the_Elder/33*.html)

Und man hat es bis heute nicht begriffen …

Mittwoch, 21. November 2012

»Rose ist eine Rose ist eine Zwiebel«, »Eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe« oder Wenn Freundschaft zerbricht


Wie das so ist, wenn Freundschaften zerbrechen – manchmal kommt es zu einem Kleinkrieg. Bei Ernest Hemingway und Gertrude Stein kam es, nachdem die kurze, aber enge und fruchtbare Freundschaft zwischen ihnen zerbrochen war, weil Hemingway unter anderem Werke guter Freunde Gertrude Steins parodierte, gleich zu einem literarischen Krieg (mehr zu dem Zerbrechen siehe http://www.lordjim.at/files/Hemingway_in_Paris.pdf).

Der Krieg begann damit, dass er ihr mit der Kapitelüberschrift »The Passing of a Great Race and the Making and Marring of Americans« (in Anlehnung an The Making of Americans (Wie Amerikaner gemacht werden)* in seiner Satire The Torrents of Spring (Die Sturmfluten des Frühlings) zu Stil und Inhalt von Gertrude Steins Freund Sherwood Andersons Roman Dark Laughter (Dunkles Lachen) einen Seitenhieb austeilte, woraufhin sie Hemingway in der Autobiography of Alice B. Toklas (Autobiographie von Alice B. Tolkas) wenig schmeichelhaft darstellte. Dieser wiederum konterte, indem er ihr ein Exemplar seines Buches Tod am Nachmittag (Death in the Afternoon) mit der Widmung schickte: »A Bitch Is A Bitch is A Bitch Is A Bitch« (Eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe) in Anlehnung an Rose is a rose is a rose is a rose (Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose).

Auch in seinem Roman Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls), der viele Jahre später, nämlich 1940, erschien, konnte er es nicht lassen:
Robert Jordan grinste mit vollem Munde. »Wie die Rosen«, sagte er. »Ganz wie die Rosen. Rose ist eine Rose ist eine Zwiebel.«
«Deine Zwiebeln verwirren dir den Verstand«, sagte Augustin.
»Gib acht!«
»Eine Zwiebel ist eine Zwiebel ist eine Zwiebel«, sagte Robert Jordan fröhlich. Und dachte: Ein Stein ist ein Kiesel, ist ein Fels, ist Geröll, ist Granit.

(Nach einer anderen, besseren Übersetzung:  »Ein Stein ist ein Stein, ist ein Fels ist ein Felsblock ist ein Kiesel«)

»What hast thou against the onion?«
»The odor. Nothing more.« Robert Jordan grinned at him with his mouth full. »A rose is a rose is an onion.«
»Thy onions are affecting thy brain,« Agustín said.
»Take care.«
»An onion is an onion is an onion,« Robert Jordan said cheerily and, he thought, a stone is a stein is a rock is a boulder is a pebble.


(Wem die Stunde schlägt. Fischer 1954, S. 357f.)
Wie und ob Gertrude Stein darauf reagierte, ist nicht überliefert. Zumindest ist mir nichts bekannt.

* Hemingway hatte das Buch vor dem Zerbrechen der Freundschaft noch als ihr eigentliches Werk bezeichnet, und dass er und seinesgleichen nichts anderes tun sollten, als ihr Leben daran zu setzen, dass es auch veröffentlich wird (siehe K. Schnell: Gertrude Steins Einfluß auf andere amerikanische Schriftsteller, S. 9). In dem wenige Jahre nach seinem Tod erschienenen Erinnerungsbuch Paris – ein Fest fürs Leben (A Moveable Feast) schreibt er über dieses »unglaublich lange Buch«:
[Es] begann ganz prachtvoll, ging eine Zeitlang sehr gut weiter mit langen Strecken großer Brillanz, und dann ging es endlos in Wiederholungen weiter, die ein verantwortungsvollerer und weniger fauler Schriftsteller in den Papierkorb geworfen hätte.«

The book began magnificently, went on very well for a long way with great
stretches of great brilliance and then went on endlessly in repetitions that a more conscientious and less lazy writer would have put in the waste basket.
(S. 27)

Montag, 5. November 2012

Zitat des Tages: Oscar Wilde über das Reisen mit einem Tagebuch

Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Spannendes zu lesen haben.  

I never travel without my diary. One should always have something sensational to read in the train.
(The Importance of Being Earnest, 1895/2008, S. 65)  

Oscar Wilde

 (In Bunbury oder Ernst muß man sein, 1977, S. 69)

Samstag, 3. November 2012

Zitat des Tages: Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse

Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse.

Le langage est source de malentendus.

Language is the source of misunderstandings.

Antoine de Saint-Exupéry

(In Der kleine Prinz (Le Petit Prince, The Little Prince). Rauch 1950, S.69; zitiert nach http://en.wikiquote.org/wiki/The_Little_Prince)

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann …

Ein unter Autoren äußerst beliebtes Zitat von Antoine de Saint-Exupéry lautet:

Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann.

Nur hat er es so nicht gesagt, sondern von Maschinen gesprochen. Richtig heißt das Zitat:
Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.

Il semble que la perfection soit atteinte non quand il n'y a plus rien à ajouter, mais quand il n'y a plus rien à retrancher.

Perfection is not when there is no more to add, but no more to take away.
(Aus Wind, Sand und Sterne (Terre des Hommes). Rauch 1957, S. 60)

Und der ganze Text lautet:
Es scheint, dass alle Arbeit der Ingenieure, Zeichner und Rechner in den Laboratorien nur den Sinn hat, hier eine Verbindung zu vereinfachen, dort ein Flügel anzupassen, bis man überhaupt nicht mehr merkt, dass da ein Flügel an einen Rumpf montiert ist, sondern nur gewahr wird, dass etwas Neues vor uns steht: eine vollkommen entwickelte Form, frei von allen Schlacken, ein gewachsenes Ganzes, das ebenso geheimnisvoll gebunden ist wie eine Dichtung. Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Die Maschine in ihrer höchsten Vollendung wird unauffällig.

Il semble que le travail des ingénieurs, des dessinateurs, des calculateurs du bureau d’études ne soit ainsi en apparence, que de polir et d’effacer, d’alléger ce raccord, d’équilibrer cette aile, jusqu’à ce qu’on ne la remarque plus, jusqu’à ce qu’il n’y ait plus une aile accrochée à un fuselage, mais une forme parfaitement épanouie, enfin dégagée de sa gangue, une sorte d’ensemble spontané, mystérieusement lié, et de la même qualité que celle du poème. Il semble que la perfection soit atteinte non quand il n’y a plus rien à ajouter, mais quand il n’y a plus rien à retrancher. Au terme de son évolution, la machine se dissimule.
(Zitiert nach http://agora.qc.ca/Dossiers/machine)

Sonntag, 26. August 2012

Zitat des Tages: Oscar Wilde über die beiden Tragödien des Lebens. II

Es gibt in dieser Welt nur zwei Tragödien. Die eine ist, wenn man nicht bekommt, was man sich wünscht. Die andere ist, wenn man es bekommt. Die zweite ist zweifellos die schlechtere, die zweite ist eine wahre Tragödie!

In this world there are only two tragedies. One is not getting what one wants, and the other is getting it. The last is much the worst; the last is a real tragedy!
(http://www.online-literature.com/wilde/lady-windermeres-fan/3/)

Oscar Wilde, Der Fächer der Lady Windermere (Lady Windermere's Fan), 3. Akt http://gutenberg.spiegel.de/buch/1838/4

Zu Wildes anderen beiden Tragödien des Lebens siehe http://juttas-schreibblog.blogspot.de/2011/07/zitat-des-tages.html

Freitag, 10. August 2012

Carpe Diem 카르페 디엠 (오늘을 즐기라!

(»Genieße den Tag«, »Nutze den Tag«, »Plücke den Tag«)

An die Leukonoe

Frag nicht (denn Wissen ist ein Frevel), welches Ende die Götter mir, welches sie dir, Leukonoe, zugedacht haben, und lass die Finger von babylonischer Astrologie! Wie viel besser doch, was immer sein mag, zu ertragen! Ob Jupiter noch viele Winter uns zugeteilt hat oder den letzten, der jetzt an entgegenstehenden Klippen das Tyrrhenische Meer bricht – lebe mit Verstand, kläre den Wein und beschränke ferne Hoffnung auf kurze Dauer! Noch während wir reden, ist die missgünstige Zeit schon entflohen: Nutze den Tag, und glaube so wenig wie möglich an den nächsten!*

Horaz, Ode 11

(Zitiert nach http://cafe.daum.net/germanistik/Dmjd/69?docid=Mj7dDmjd6920090519140203; weitere Links zu Übersetzungen siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Carpe_diem)

*auch »Genieße den Augenblick und verlaß dich so wenig wie möglich auf den folgenden« (http://members.aon.at/latein/Horaz1.htm)

Eine Übersetzung, die mir noch besser gefällt, aber mit den eher unüblichen Worten endet »Fröhlich pflücke das ›Heut‹, trau’ nicht auf das, was Dir ein ›Morgen‹ bringt« siehe Die Oden des Quintus Horatius Flaccus: Deutsch in Versmaße des Originals, 1866, S. 20)

Ad Leuconoen

Tu ne quaesieris – scire nefas – quem mihi, quem tibi
Finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios
Tentaris numeros. Ut melius, quidquid erit, pati:
Seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
Quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum! Sapias, vina liques, et spatio brevi
Spem longam reseces. Dum loquimur, fugerit invida
Aetas: carpe diem quam minimum credula postero.


(Carminum. Liber Primus XI. Aus: Des Q. Horatius Flaccus Sämmtliche Werke: für den Schulgebrauch erklärt, 1868,  S. 36f., mit einer ausführlichen Erläuterung des Textes und vielen handschriftlichen Notizen, die ein unbekannter Schüler in dem Buch gemacht hat)

Hübsch ist die Anmerkung des Herausgebers C. W. Nauck dazu::
Lebensregel. Einer thöricht-gesinnten Schönen, die sich das Leben durch Zukunftssorgen verbittet, ruft der Dichter in freundlicher und gemüthlicher Weise sein Sapias zu: »Sei kein Närrchen, geniesse die Gegenwart«.
Leuconoë, don’t ask, we never know, what fate the gods grant us,
whether your fate or mine, don’t waste your time on Babylonian,
futile, calculations. How much better to suffer what happens,
whether Jupiter gives us more winters or this is the last one,
one debilitating the Tyrrhenian Sea on opposing cliffs.
Be wise, and mix the wine, since time is short: limit that far-reaching hope.
The envious moment is flying now, now, while we’re speaking:
Seize the day, place in the hours that come as little faith as you can.

(http://www.poetryintranslation.com/PITBR/Latin/HoraceOdesBkI.htm#_Toc39402017)

(Mehr zu Carpe diem siehe http://juttas-zitateblog.blogspot.de/2011/09/carpe-diem.html und zu Martin Opitz' Gedicht Carpe diem http://juttas-zitateblog.blogspot.de/2011/09/uber-martin-opitz-gedicht-carpe-diem.html . Zu Bewahre die Zeit! von Lucius Annaeus Seneca siehe http://juttas-schreibblog.blogspot.de/2010/10/seneca-uber-die-zeit.html)

Freitag, 13. Juli 2012

Zitat des Tages: Tucholsky über die Fundamentalregel alles Seins

Dies ist, glaube ich, die Fundamentalregel alles Seins: ›Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders.‹

Here is, I believe, the fundamental rule of all being: Life is not at all like this. It is completely different.

Kurt Tucholsky

(Schnipsel. In Gesammelte Werke in zehn Bänden. Bd. 1, 1975  http://www.zeno.org/Literatur/M/Tucholsky,+Kurt/Werke/1925/Schnipsel)

Dienstag, 12. Juni 2012

Zitat des Tages: Koestler über Worte, die Schiffe zum Segeln bringen

Worte sind Luft. Aber die Luft wird zum Wind, und der Wind macht die Schiffe segeln.

Words are so much air, but air will be wind and make ships sail.

Arthur Koestler

(In The Gladiators. Macmillan1967, S. 71)

Freitag, 8. Juni 2012

Zitat des Tages: Oscar Wilde über das Reden und Tun und die Sprache

Es ist schwieriger, etwas zu tun, als darüber zu reden? Keineswegs. Dies ist ein grober, weitverbreiteter Irrtum. Es ist sehr viel schwieriger, über etwas zu reden, als es zu tun. Im Bereich des täglichen Lebens ist dies natürlich unverkennbar. Jeder kann Geschichte machen, aber nur ein großer Mann kann sie schreiben. Es gibt keine Handlungsweise, keine Form der Empfindung, die wir nicht mit den niedrigen Tieren teilen. Nur durch die Sprache erheben wir uns über sie oder über den Mitmenschen – durch die Sprache allein, sie ist die Mutter des Denkens, nicht ihr Kind.

Oscar Wilde

(In Der Kritiker als Künstler, Teil I: Mit einigen Anmerkungen über den Wert des Nichtstuns http://www.besuche-oscar-wilde.de/werke/deutsch/essays/der_kritiker_1.htm)

More difficult to do a thing than to talk about it? Not at all. That is a gross popular error. It is very much more difficult to talk about a thing than to do it. In the sphere of actual life that is of course obvious. Anybody can make history. Only a great man can write it. There is no mode of action, no form of emotion, that we do not share with the lower animals. It is only by language that we rise above them, or above each other—by language, which is the parent, and not the child, of thought.

(In The Critic as Artist: With Some Remarks Upon The Importance of Doing Nothing http://www.readbookonline.net/readOnLine/480/)

Donnerstag, 1. März 2012

Erasmus von Rotterdam über das Selbstlob und Stegreifreden

Und schließlich: ich halte es mit dem Sprichwort, das da sagt: „Lobe dich ruhig selbst, wenn es kein anderer für dich tun will.“ Freilich muß ich dabei sagen, daß die Undankbarkeit – oder ist es Faulheit? – der Menschen mich befremdet. Denn alle machen mir eifrig den Hof und sonnen sich gern in meiner Gnade; aber unter so vielen Generationen ist nicht einer gewesen, der mit dankbaren Worten der Torheit ein Kränzchen gewunden hätte. Dagegen ein Busiris, ein Phalaris, das Fieber, die Mücken, der Haarschwund und dergleichen Plagen fanden genug Leute, die sich das Öl und den Schlaf nicht reuen ließen, bis die Lobrede feingedrechselt neben der ausgebrannten Lampe lag.

Was ihr von mir zu hören bekommt, ist allerdings bloß eine richtige Stegreifrede, kunstlos, doch ehrlich. Und meint mir nicht, das sei nach Rednermanier gelogen, nur um mein Genie leuchten zu lassen. Ihr kennt das ja: Rückt einer auf mit einer Rede, über der er dreißig Jahre gebrütet hat – oft ist sie auch gestohlen –, so schwört er euch, er habe sie in drei Tagen wie spielend hingeschrieben oder gar diktiert. O nein – ich liebe es von jeher, alles das zu sagen, was mir Dummes just auf die Zunge kommt. Nur erwartet nicht, daß ich mich nach der Schablone der gewöhnlichen Redner definiere oder gar disponiere. Ein übler Anfang wäre beides, denn eine Kraft, die in der ganzen Welt wirkt, läßt sich in keine Formel bannen, und eine Gottheit zerstückelt man nicht, zu deren Verehrung sich alle Kreatur zusammenfinden.

Was sollte auch eine Definition? Sie würde euch nur einen Umriß, ein blutleeres Schattenbild zeigen, und habt mich doch  mich doch da in aller Leibhaftigkeit vor euern Augen und seht in eigener Person die wahre Geberin aller Gaben, das Wesen, das jedes Volk in seiner Sprache die Torheit heißt.

Postremo sequor tritum illud vulgi prouerbium, quo dicitur is recte laudare sese, cui nemo alius contigit laudator. Quamquam hic interim demiror mortalium, ingratitudinem dicam, an segnitiem, quorum cum omnes me studiose colant, meamque libenter sentiant beneficentiam, nemo tamen tot iam sæculis exstitit, qui grata oratione STVLTITIÆ laudes celebrarit, cum non defuerint, qui Busirides, Phalarides, febres quartanas, muscas, caluitia, atque id genus pestes, accuratis magnaque et olei et somni iactura elucubratis laudibus uexerint. A me extemporariam quidem illam et illaboratam, sed tanto ueriorem audietis orationem.
 

Id quod nolim existimetis ad ingenii ostentationem esse confictum, quemadmodum uulgus oratorum facit. Nam ii, sicuti nostis, cum orationem totis triginta annis elaboratam, nonnumquam et alienam proferunt, tamen triduo sibi quasi per lusum scriptam, aut etiam dictatam esse deierant. Mihi porro semper gratissmum fuit hoti an epi glôttan elthoi dicere. At ne quis iam a nobis expectet ut iuxta uulgarium istorum rhetorum consuetudinem, me ipsam finitione explicem porro ut diuidam, multo minus. Nam utrumque ominis est inauspicati, uel fine circumscribere eam cuius numen tam late pateat, uel secare, in cuius cultum omne rerum genus ita consentiat. Tametsi quorsum tandem attinet mei uelut umbram atque imaginem finitione repræsentare, cum ipsam me coram præsentes præsentem oculis intueamini? Sum etenim uti uidetis, uera illa largitrix eaôn, quam Latini STVLTITIAM, Græci MÔRIAN appellant.
(http://la.wikisource.org/wiki/Moriae_encomium)

Finally, I follow that well-worn popular proverb which says that a man does right to praise himself if he can’ find anyone else to praise him.
 

Here, by the way, I can’t help wondering at the ingratitude (if I may say so) or the dilatoriness of mankind. Everyone is only too anxious to cultivate me and freely acknowledges the benefits I bring, yet throughout all the ages nobody has ever come forward to deliver a speech of thanks in praise of Folly. Yet there has been no lack of persons ready to spend lamp-oil and lose their sleep working out elaborate speeches in honour of tyrants like Busiris [and Phalaris], quartan fever, flies, baldness, and plagues of that sort. From me you’re going to hear a speech which is extempore and quite unprepared, but all the more genuine for that. Still, I wouldn’t have you think I composed this to show off my talent, as the common run of orators do. As you know, they can spend thirty whole years elaborating a speech which even then may not be theirs at all, and then swear they wrote it for a joke in a mere three days or even dictated it extempore. For my part, I’ve always liked best to say ‘whatever comes [ill-timed] to the tip of the tongue’. None of you need expect me to follow the usual practice of ordinary rhetoricians and explain myself by definition, still less by division. It wouldn’t bode well for the future either to limit and confine one whose divinity extends so far, or to cut her up when the whole world is united in worshipping her. And what purpose would it serve for a definition to produce a sketch which would be a mere shadow of myself when I am here before you, for you to look at with your own eyes? For I am as you see me, the true bestower of 'good things,' called stultitia in Latin, ancient Môrian in Greek.
(http://www.ourcivilisation.com/smartboard/shop/erasmus/folly.htm)

(In Desiderius Erasmus: Das Lob der Torheit (Moriae encomium). Reclam jun., 1950 , S. 9 f.)

Weitere Übersetzungen siehe unter anderem http://www.irwish.de/PDF/Erasmus%20von%20Rotterdam%20-%20Das%20Lob%20der%20Torheit.pdf (mit Anmerkungen und 30 Zeichnungen von Hans Holbein d. J.) und  http://welcker-online.de/Texte/Erasmus/torheit.pdf

Dienstag, 28. Februar 2012

Zitat des Tages: Oscar Wilde über Druckfehler

Ein Dichter kann alles überleben außer einem Druckfehler.*

A poet can survive everything but a misprint.

Oscar Wilde

(In The Children of The Poets [Review]. Pall Mall Gazette, 14. 10. 1886 http://www.readbookonline.net/read/9873/24009/)

*Hm. In die Übersetzung auf http://de.wikiquote.org/wiki/Oscar_Wilde "Ein Dichter kann alles überleben außer einen Druckfehler" hat sich doch tatsächlich ein Druckfehler eingeschlichen …

Mittwoch, 8. Februar 2012

Zitat des Tages: Jules Verne über Perlen

Für den Dichter ist [die Perle] eine Träne des Meeres, für den Orientalen ein fest gewordener Tropfen Tau, für die Frauen ein länglich-ovales Schmuckstück aus Perlmutter, von durchsichtigem Glanz, getragen am Finger, Hals oder Ohr, für den Chemiker ist sie eine Mischung aus phosphorsaurem und kohlensaurem Kalk, mit Bindemitteln versetzt, und für den Naturforscher ist sie nichts weiter als eine krankhafte organische Ausscheidung einiger zweischaliger Muscheln.

Jules Verne 

(…) to the poet, a pearl is a tear of the sea; to the Orientals, it is a drop of dew solidified; to the ladies, it is a jewel of an oblong shape, of a brilliancy of mother-of-pearl substance, which they wear on their fingers, their necks, or their ears; for the chemist it is a mixture of phosphate and carbonate of lime, with a little gelatine; and lastly, for naturalists, it is simply a morbid secretion of the organ that produces the mother-of-pearl amongst certain bivalves. (http://www.classicreader.com/book/95/25/)

(In 20000 Meilen unter den Meeren (20,000 Leagues Under the Sea) http://pdf.pd.ohost.de/Jules%20Verne/20000%20Meilen%20unter%20den%20Meeren.pdf)

Samstag, 14. Januar 2012

Mark Twain über angeblich ungesunde Dinge

Es wäre schade, wenn die Welt so viele gute Dinge wegwerfen würde, nur weil sie ungesund sind. Ich bezweifle, dass Gott uns irgendeine Stärkung gegeben hätte, die, wenn in Maßen genossen, ungesund ist, außer Bazillen. Und doch gibt es Menschen, die sich strikt allem Essbaren, Trinkbaren und Rauchbaren versagen, das, weshalb auch immer, einen schlechten Ruf hat. Sie zahlen diesen Preis für ihre Gesundheit. Und Gesundheit ist auch alles, was sie dafür erhalten. Wie seltsam; es ist, als würde man sein ganzes Vermögen für eine Kuh ausgeben, die keine Milch mehr gibt. (Übersetzung jmw)

„It seems a pity that the world should throw away so many good things merely because they are unwholesome. I doubt if God has given us any refreshment which, taken in moderation, is unwholesome, except microbes. Yet there are people who strictly deprive themselves of each and every eatable, drinkable and smokable which has in any way acquired a shady reputation. They pay this price for health. And health is all they get for it. How strange it is; it is like paying out your whole fortune for a cow that has gone dry.“

Mark Twain

(In Autobiography of Mark Twain. University of California Press 2010, S. 211)

Freitag, 1. Juli 2011

Zitat des Tages: Oscar Wilde über die beiden Tragödien des Lebens. I

Handlung ist die erste Tragödie des Lebens, Worte sind die zweite. Worte sind vielleicht die schlimmste. Worte sind gnadenlos.

Nach einer anderen Übersetzung auch:

Zwei Tragödien: zuerst die Tat und dann die Worte. Vielleicht sind die Worte noch schlimmer. Worte sind erbarmungslos. (In Werke in zwei Bänden. Hanser 3. Aufl. 1977, S. 153)

Actions are the first tragedy in life, words are the second. Words are perhaps the worst. Words are merciless.
(http://www.online-literature.com/wilde/lady-windermeres-fan/4/)

Oscar Wilde, Der Fächer der Lady Windermere (Lady Windermere's Fan), 4. Akt   http://gutenberg.spiegel.de/buch/1838/

Zu Wildes anderen beiden Tragödien des Lebens siehe http://juttas-schreibblog.blogspot.de/2012/08/zitat-des-tages-oscar-wilde-uber-die.html

Mittwoch, 8. Juni 2011

Zitat des Tages: Goethe über Quark und Creme

Sie peitschen den Quark, ob nicht etwa Crème daraus werden wolle.

They whip up surds hoping it might turn into cream.

(Übersetzung: http://wolfenmann.com/goethe-maxims-and-reflections-full-text.html)

Johann Wolfgang von Goethe, Eigenes und Angeeignetes in Sprüchen

(In Goethe: Über Kunst und Alterthum, Dritten Bandes erstes Heft. Cottaische Buchhandung 1821, S. 26)

Montag, 9. Mai 2011

Zitat des Tages: Seneca über das glückselige Leben

Glückselig zu leben, mein Bruder Gallio, wünschen Alle, aber um zu durchschauen, was es sei, wodurch ein glückseliges Leben bewirkt werde, dazu sind sie zu blödsichtig.  Und zu einem glückseligen Leben zu gelangen ist eine so gar nicht leichte Sache, daß Jeder sich um so weiter davon entfernt, je rascher er darauf losgeht, wenn er einmal den Weg verfehlt hat; denn führt dieser nach der entgegengesetzten Seite, so wird gerade die Eile der Grund einer immer größeren Entfernung.

Viuere, Gallio frater, omnes beate uolunt, sed ad peruidendum quid sit quod beatam uitam efficiat caligant; adeoque non est facile consequi beatam uitam ut eo quisque ab ea longius recedat quo ad illam concitatius fertur, si uia lapsus est; quae ubi in contrarium ducit, ipsa uelocitas maioris interualli causa fit.
(http://www.thelatinlibrary.com/sen/sen.vita.shtml)

To live happily, my brother Gallio, is the desire of all men, but their minds are blinded to a clear vision of just what it is that makes life happy; and so far from its being easy to attain the happy life, the more eagerly a man strives to reach it, the farther he recedes from it if he has made a mistake in the road; for when it leads in the opposite direction, his very speed will increase the distance that separates him.
(http://www.foggytown.org/stoicism/seneca-on-the-happy-life)

Seneca Lucius Annaeus, Vom glückseligen Leben (De vita beata; On the Happy Life) http://www.pinselpark.org/philosophie/s/seneca/glueck/glueck1_1.html

Samstag, 19. September 2009

Zitat des Tages

Nicht Worte sollen wir lesen, sondern den Menschen, den wir hinter den Worten fühlen.

What we should read is not the words but the man whom we feel to be behind the words.

Samuel Butler

(In The Note-Books of Samuel Butler. Echo Library 2006, S. 60)

Dienstag, 28. Oktober 2008

Neues aus dem Zitatekästchen übers Schreiben

Wer aber nicht eine Million Leser erwartet, sollte keine Zeile schreiben. (Johann Wolfgang von GOETHE am 12. Mai 1825. In Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. Brockhaus 1868, S. 220; http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/biografie/eckermann/1825/18250512.htm); mehr dazu siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.de/2012/11/goethe-uber-eine-million-leser-und.html

Duclos bemerkt, es gebe wenig ausgezeichnete Werke, die nicht von Schriftstellern von Profession herrühren. In Frankreich wird dieser Stand seit langer Zeit mit Achtung anerkannt. Bei uns galt man ehedem weniger als nichts wenn man bloß Schriftsteller war. Noch jetzt regt sich dies Vorurteil hier und da, aber die Gewalt verehrter Beispiele muß es immer mehr lähmen. Die Schriftstellerei ist, je nachdem man sie treibt, eine Infamie, eine Ausschweifung, eine Tagelöhnerei, ein Handwerk, eine Kunst, eine Wissenschaft und eine Tugend. (August Wilhelm von SCHLEGEL*, Über Litteratur und Kunst. In Vermischte und kritische Schriften. Weidmann’sche 1846, S. 13http://www.zeno.org/Literatur/M/Schlegel,+Friedrich/Fragmentensammlungen/Fragmente)
* Nicht Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel.

Wir schreiben … um unser Bewußtsein vom Leben zu vertiefen … wir schreiben, um das Leben zweimal zu kosten: im Augenblick und in der Rückschau … Wir schreiben, um andere zu locken, zu bezaubern und zu trösten … … um uns selbst zu lehren, mit anderen zu sprechen, um die Reise in das Labyrinth aufzuzeichnen … um unsere Welt zu erweitern, wenn wir uns stranguliert fühlen, eingeengt und einsam … Wir schreiben, um die Grenzen unseres Lebens zu überschreiten, um darüber hinaus reichen zu können. Wenn ich nicht schreibe, fühle ich, wie meine Welt schrumpft, ich fühle mich in einem Gefängnis. Ich empfinde, wie ich mein Feuer und meine Farben verliere . (Anaïs NIN; mehr dazu siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.de/2011/11/anais-nin-uber-das-schreiben.html)

Es schreibt keiner wie ein Gott, der nicht gelitten hat wie ein Hund. (Marie von EBNER-ESCHENBACH. In Aphorismen. Aus einem zeitlosen Tagebuch. Altweibersommer. Parabeln und Märchen. Nymphenburger Verlagshandlung 1961, S. 74)

Was eigentlich den Schriftsteller für den Menschen ausmacht, ist: beständig zu sagen, was der größte Theil der Menschen denkt oder fühlt ohne es zu wissen. Der mittelmäßige Schriftsteller sagt nur, was jeder würde gesagt haben. (Georg Christoph LICHTENBERG. In Georg Christoph Lichtenberg’s Gedanken und Maximen: Lichtstrahlen aus seinen Werken. Brockhaus 1871, S. 124)

Es sind zuverlässig in Deutschland mehr Schriftsteller, als alle vier Welttheile überhaupt zu ihrer Wohlfahrt nötihg haben. (Georg Christoph LICHTENBERG. In Vermischte Schriften. Dietrichsche 1853, S. 313)

Seine Bücher waren alle sehr nett; sie hatten auch sonst wenig zu thun. (Georg Christoph LICHTENBERG. In Georg Christoph Lichtenberg’s Gedanken und Maximen: Lichtstrahlen aus seinen Werken. Brockhaus 1871, S. 177)

Ich glaube, dass ich ein Arbeiter, ein Handwerker bin. Schreiben ist für mich nicht so sehr eine Sache der Stimmung. (Friedrich DÜRRENMATT. In Der Klassiker auf der Bühne: Gespräche 1961–1990. Diogenes 1996, S. 126)

Ich staune immer, wenn ich irgend etwas zu Ende bringe. Ich staune und bin deprimiert. Mein Sinn für Vollkommenheit müßte mich daran hindern, irgend etwas zu Ende zu bringen; er müßte mich sogar daran hindern, irgend etwas in Angriff zu nehmen. (Fernando PESSOA, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Fischer 1988, S. 115)

Isolation ist das erste Prinzip künstlerischer Ökonomie (Isolation is the first principle of artistic economy). (James JOYCE, Stephen Hero, Chapter XVI, S. 34,  http://www.ricorso.net/rx/az-data/authors/j/Joyce_JA/apx/texts/Extracts/St-Hero.htm)

Ich finde nicht, daß ein Künstler sich mit Gedanken an sein Publikum belasten sollte. Sein bestes Publikum ist der Mensch, dessen Gesicht er allmorgendlich im Rasierspiegel erblickt. (Vladimir NABOKOW; zitiert nach http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14937268.html)

Geschichte* schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen. (Johann Wolfgang von GOETHE, Ueber Kunst und Alterthum. Cotta 1821, S. 33)
*Nicht Geschichten(!).