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Mittwoch, 27. März 2013

Zitat des Tages: Kafka über einen „schrecklichen Druckfehler“

Sehr geehrter Herr Verleger!

Hier schicke ich postwendend die Korrektur für die „Arcadia“* zurück. Ich bin glücklich, daß Sie mir noch die zweite Korrektur geschickt haben, denn auf Seite 61 steht ein schrecklicher Druckfehler: „Braut“ statt „Brust“.
Mit bestem Dank Ihr herzlich ergebener Dr. F. Kafka

Franz Kafka an den Verlag Kurt Wolff am 8. III. 12 [1913]

(In Franz Kafka: Briefe 1902-1924. S. Fischer 1966, S. 114)

* Kafka meint damit seine Erzählung Das Urteil, die 1913 in Arkadia. Ein Jahrbuch für Dichtkunst, hrsgg. von Max Brod, erschien. Die – korrigierte – Seite können Sie sich hier anschauen. Der Druckfehler wäre wirklich schrecklich gewesen.

Sonntag, 17. Februar 2013

Gedicht der Woche: „Ich wünsch mir nichts als ein hohes Schiff“ (und ein kleiner Ausflug in die unendlichen Weiten des Universums)


„Ich wünsch mir nichts als ein hohes Schiff und die Sterne über mir.
Dann kannst du den Wind in deinem Rücken spüren und das Rauschen der See unter dir.
Und auch wenn du den Wind weglässt und das Wasser, es ist das Gleiche.
Du hast ein Schiff, du fühlst es, und die Sterne sind über dir“,

zitiert Captain* James T. Kirk (William Shatner) in Star Trek: Raumschiff Enterprise, Folge 2.24 (53), Computer M5 (The Ultimate Computer), die ersten Verse eines Gedichts, als ihm sein Freund, der Schiffsarzt Leonard McCoy, einen Drink ins Quartier bringt mit den Worten „Ich bin zwar nur ein Pillendreher, aber McCoys munteren Magentröster kennt man bis zum Orion“, nachdem ihm seine Befähigung als Raumschiffkapitän nach dem erfolgreichen Einsatz des Computers abgesprochen wurde.

Und viele Jahre später, im Jahr 2287, zitiert er in Star Trek 5 – Am Rande des Universums (Star Trek V: The Final Frontier) beim Anblick seines Schiffes in der Raumfähre auf dem Weg zur Enterprise:

„Nichts will ich als ein schlankes Schiff und den weisenden Stern in der Höh’“

im Beisein von McCoy und seinem Wissenschaftsoffizier Mr. [S’chn T’gai] Spock.
.
Auch Joseph „Joe“ Sullivan alias „Sky Captain“ (Jude Law) zitiert den Vers im Flugzeug auf der Suche nach Rana in Sky Captain and the World of Tomorrow.

(Andere Übersetzung lauten: „Nichts will ich als ein schlankes Schiff und die weisenden Sterne in der Höhe. / Kannst du den Wind in deinem Rücken spüren, und die Wellen unter dir?“; „Ich muss mich gen Meer wenden, hin zum einsamen Himmel und weiter See, / und alles, was ich verlange, ist ein großes Schiff und einen Stern, der es lenkt“; und bei Wikipedia „Ich muss wieder hinab zum Meer, zum einsamen Meer und dem Himmel / Und ich brauche nur ein großes Schiff und einen Stern, nach dem ich steuern kann …“)

McCoy meint, dass dieser Vers von Herman Melville sei, aber Spock weiß natürlich, dass John Mansfield  der Autor ist und dass er in den Klassikern wohlbekannt sei. (Dass McCoy ihn daraufhin fragt, warum ihm „Row, Row, Row Your Boat“, das sie am Lagerfeuer im Yosemite-Nationalpark gesungen hatten, nicht bekannt gewesen sei, und Spock als Antwort die berühmte rechte Augenbraue hochzieht, gehört allerdings nicht hierher.)

* Wer sich für die Dienstgrade der Sternenflotte und anderer Völker wie Klingonen oder Romulaner interessiert, findet hier eine Übersicht. Aber nicht nur das erfährt man hier, sondern alles rund um Star Trek, ob Dusche, Transporterunfälle, Zahnmedizin oder die Chronologie sämtlicher Ereignisse rund um Star Trek, beginnend mit 4000 v. Chr.: „Unbekannte Aliens bringen mehrere Menschen zu einem entfernten Planeten, um die Erde daran zu hindern, sich selbst zu zerstören. Gary Seven ist einer ihrer Nachkommen“ in TOS 2.26 [55] Ein Planet genannt Erde (Assignment: Earth). Die Seite Memory Alpha, „ein freies und gemeinschaftliches Projekt zur Erstellung einer umfangreichen Enzyklopädie rund um Star Trek“, bei dem jeder mitmachen kann, ist ein Muss für alle Trekkies.

Nach dem Ausflug in die Weiten des Weltalls nun zurück zu den Weiten des Ozeans. Hier nun das vollständige Gedicht:

Sea-Fever

I must down to the seas again, to the lonely sea and the sky,
And all I ask is a tall ship* and a star to steer her by,
And the wheel’s kick and the wind’s song and the white sail’s shaking,
And a grey mist on the sea’s face, and a grey dawn breaking.

I must down to the seas again, for the call of the running tide
Is a wild call and a clear call that may not be denied;
And all I ask is a windy day with the white clouds flying,
And the flung spray and the blown spume, and the sea-gulls crying.

I must down to the seas again to the vagrant gypsy life.
To the gull’s way and the whale’s way where the wind’s like a whetted knife;
And all I ask is a merry yarn from a laughing fellow-rover,
And quiet sleep and a sweet dream when the long trick’s over.

(In John Masefield: Salt-Water Ballads. London 1902, S. 59f.)

(Mit „tall ship“ bezeichnet man in England die schnellen Tee- und Wollklipper wie die Cutty Sark)

Meer-Sehnsucht

Ich muss zurück, zum Meer hinab,
Zu Himmel und einsamer See,
Und nichts will ich als ein schlankes Schiff
Und den weisenden Stern in der Höh,
Das Knacken des Rads und des Windes Lied
Und der Segel Glanz und Schwung,
Und den grauen Nebel im Antlitz der See
Beim Einbruch der Dämmerung.

Ich muss zurück, zum Meer hinab,
Denn die Tide, die steigend kommt,
Ist wie ein wilder und heller Ruf –
Nicht Zögern noch Weigern frommt.
Und nichts will ich, als den Tag voll Wind
Mit Wolken, die schimmernd fliegen,
Mit wehendem Gischt und sprühendem Schaum
Und der Möwen Kreischen und Wiegen.

Ich muss zurück, zum Meer hinab,
Zu dem rastlosen Wanderleben,
Wo der Wind saust und der Walfisch zieht
Und die wilden Seevögel schweben …
Und nichts will ich als ein lustiges Garn,
Von lachendem Seemann gesponnen,
Und tiefen Schlaf und freundlichen Traum,
Wenn die Reise verronnen.
(Zitiert nach http://www.sailtraining.de/fileadmin/files/intern/Ausbildung/BHBonlext.pdf)

(Womit ich einmal mehr gezeigt habe, wie die Suche nach einem ganz banalen Begriff immer weiter in die unendlichen Tiefen des Netzes führt, dorthin, wo fleißige Menschen ihr Wissen eingestellt haben, um es mit anderen zu teilen.)

Samstag, 16. Februar 2013

Zitat des Tages

Ein Kerl, der kritisiert,
Ist wie ein Tier auf dürrer Heide,
Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
Und ringsumher liegt schöne grüne Weide.

Ludwig Börne

(In Vermischte Aufsätze, 1823/2006, S. 15)

Mittwoch, 13. Februar 2013

Zitat der Woche: „Nur wenn man sitzt, kann man denken und schreiben“


Dieses Zitat von Friedrich Nietzsche gehört zu den berühmten Zitaten, die in diverse Sprachen wie Englisch, Französisch, Italienisch, Littauisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch, Spanisch und Tschechisch übersetzt wurden:

On ne peut penser et écrire qu’assis (Flaubert) [Nur wenn man sitzt, kann man denken und schreiben] – Damit habe ich dich, Nihilist! Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Werth.

(In Der Fall Wagner. Götzen Dämmerung. Nietzsche contra Wagner. Umwerthung alle Werthe. Dichtungen, 1906, S. 66)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ [One cannot think and write except when seated] (G. Flaubert). There I have caught you, nihilist! The sedentary life is the very sin against the Holy Spirit. Only thoughts reached by walking have value.
(http://www.davemckay.co.uk/philosophy/nietzsche/nietzsche.php?name=nietzsche.1889.twilightoftheidols.kaufmann.01)

On ne peut penser et écrire qu’assis (G. Flaubert). Je te tiens là, nihiliste! Rester assis, c’est là  précisément le péché contre le Saint-Esprit. Seules les pensées qui vous viennent en marchant ont de la valeur.
(http://tinyurl.com/asforzp)


„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert). – Ti tengo ormai, nichilista! Il sedere di pietra è proprio il peccato contro lo spirito aanto. Soltanto i pensieri nati camminando hanno valore.
(http://www.unibg.it/dati/bacheca/434/52916.pdf)


(auch Ecco che ti ho, nichilista! Star seduti è appunto il peccato contro lo spirito santo. Solo i pensieri che hanno camminato hanno valore. http://de.scribd.com/doc/102049635/Friedrich-Nietzsche-Crepuscolo-Degli-Idoli)
 

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert). – Štai ir pagavau tave, nihiliste! Kaip tik sėslumas yra n u s i ž e n g i m a s šventajai dvasiai. Tik i š v a i k š č i o t o s mintys vertingos.
(http://www.patariu.lt/studijos/2009/01/frydrichas-nyce-stabu-saulelydis/)


 „On ne peut pas penser et écrire qu´assis“ (Man kan kun tænke og skrive siddende) (G. Flaubert) – Her har jeg dig, nihilist! At sidde på sin flade røv er netop synden mod den hellige ånd. Kun de tanker, man har gået sig sig til, har værdi.
(http://jimeglinhansen.com/category/rejsen-mod-mig-selv/)


„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G.  Flaubert). É assim que te pego, Niilista!  A pachorra é justamente o pecado contra o Espírito Santo.  Só os pensamentos que surgem em movimento têm valor.
(http://www.ufrnet.br/~tl/otherauthorsworks/nietzsche_crepusculo_dos_idolos.pdf

 „On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert) [Tylko siedząc, można myśleć i pisać.]  – Mam cię, nihilisto! Przesiadywanie jest właśnie  g r z e c h e m  przeciwko Duchowi Świętemu. Wartość mają jedynie te myśli, które człowiek  w y c h o d z i ł.
(http://www.satan.pl/nietzsche.php?id=158)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert). – Aici te-am prins, nihilistule! Carnea ve[s]nic st[a]tut[a]l e tocmai p[a]catul împotriva sfîntului duh. Valoare au numai ideile dup[a] care ai umblat. 
(https://sites.google.com/site/nccmn14/nietzsche---amurgul-idolilor

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (Г.Флобер). – Вот я и поймал тебя, нигилист! Усидчивость есть как раз грех против духа святого. Только выхоженные мысли имеют ценность.
(http://www.nicshe.velchel.ru/index.php?cnt=21&sub=1)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (Flaubert). [No se puede pensar ni escribir más que sentado] ¡Ah, nihilista! El trasero es precisamente el pecado contra el espíritu santo. Sólo tienen valor los pensamientos pensados en camino. 
(http://www.taringa.net/posts/info/6310133/Frases-de-Friedrich-Nietzsche.html)

(auch Con esto te tengo, nihilista! La carne del trasero es cabalmente el pecado contra el espíritu santo. Sólo tienen valor los pensamientos caminados. http://www.paginasobrefilosofia.com/html/crepus1.html)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert) – Nu har jag dig, nihilist! Sittfläsket är själva synden mot den helige ande. Bara rörliga tankar är något värda.
(http://www.skarv.se/ij/FNToP.htm)

„On ne peut penser et écrire qu’assis“ (G. Flaubert) Tím jsem tě dostal, nihilisto! Usedlost je přímo hřích proti duchu svatému. Jen vychozené myšlenky mají hodnotu.
(http://polarniliska.webpark.cz/soumrak.html)


Nur – wo und wann hat Gustave Flaubert diesen von Nietzsche vielzitierten Satz gesagt? – Leider scheine ich die einzige zu sein, die sich das gefragt hat. – Tja, offensichtlich hat ihn Guy de Maupassant in seiner Flaubert-Studie dem Schriftsteller in den Mund gelegt. Denn er schreibt:
Von Kind an zeigte er zwei auffallende Charakterzüge, die er immer bewahrt hat: eine große Naivität und die Abscheu vor jeder körperlichen Handlung. Sein ganzes Leben blieb er naiv und seßhaft. Er konnte es nicht ohne wild zu werden vertragen, daß man in seiner Nähe herumging oder sich sonst rührte; und dann erklärte er mit seiner bissigen, tönenden und immer ein wenig theatralischen Stimme: daß dieses nicht philosophisch sei. „Man kann nur denken und schreiben, wenn man sitzt“, sagte er.
(In Gustave Flauberts Gesammelte Werke: Madame Bovary. Sittenbilder aus der Provinz. Bruns o.J. [um 1920], S. viii)

Dès sa première enfance, les deux traits distinctifs de sa nature furent une grande naïveté et une horreur de l'action physique. Toute sa vie, il demeura naïf et sédentaire. Il ne pouvait voir marcher ni remuer autour de lui sans s'exaspérer; et il déclarait, avec sa voix mordante, sonore et toujours un peu théâtrale, que cela n'était point philosophique. „On ne peut penser et écrire qu'assis“, disait-il.
(Flaubert vu par Guy de Maupassant en 1884 http://jb.guinot.pagesperso-orange.fr/pages/maupassant84a.html)
Eine Originalquelle habe ich leider nicht gefunden.

Dass solche Worte nicht unkommentiert bleiben können, ist verständlich. Denn prompt spöttelt der Pianist, Kabarettist und Schriftsteller Ernst Woldemar Sacks in seinen Erinnerungen Kabarett des Lebens:
„Nur beim Sitzen kann man denken und schreiben“ (On ne peut penser et écrire qu'assis) sagt Flaubert, wohingegen Nietzsche meint, daß „nur ergangene Gedanken wert haben“. Ich schlage einfach ein – entschuldigen Sie das harte Wort – gemäßigten Stuhlgang vor, d.h. man binde oder klebe sich hinten einen Stuhl an und gehe mit Nietzscheschen Gedanken auf und ab; kommen einem Flaubertsche Gedanken, dann kann man sich sofort auf denselben Fleck, wo man eben stand, setzen.
(Zitiert nach http://www.aphorismen.de/zitat/127183)

Samstag, 2. Februar 2013

Zitat des Tages: Goethe über Handarbeiten

Frauenzimmerliche Handarbeiten, in Gesellschaft unternommen und scheinbar gleichgültig fortgesetzt, erhalten durch Klugheit und Anmut oft eine wichtige Bedeutung. Unbefangen und emsig fortgesetzt, geben solche Bemühungen einer Schönen das Ansehen völliger Unaufmerksamkeit auf die Umgebung und erregen in derselben ein stilles Mißgefühl. Dann aber, gleichsam wie beim Erwachen, ein Wort, ein Blick versetzt die Abwesende wieder mitten in die Gesellschaft, sie erscheint als neu willkommen; legt sie aber gar die Arbeit in den Schoß nieder, zeigt sie Aufmerksamkeit auf eine Erzählung, einen belehrenden Vortrag, in welchem sich die Männer so gern ergehen, dies wird demjenigen höchst schmeichelhaft, den sie dergestalt begünstigt.

Johann Wolfgang von Goethe

(In Der Mann von fünfzig Jahren, S. 15; siehe auch http://gutenberg.spiegel.de/buch/3679/26)

Donnerstag, 3. Januar 2013

Zitat des Tages: Lichtenberg über Bücher

Schreibt man denn Bücher bloß zum Lesen? oder nicht auch zum Unterlegen in die Haushaltung? Gegen eins, das durchgelesen wird, werden Tausende durchgeblättert, andere Tausende liegen stille, andere werden auf Mauslöcher gepreßt, nach Ratzen geworfen, auf anderen wird gestanden, gesessen, getrommelt, Pfefferkuchen gebacken, mit anderen Pfeifen angesteckt, hinter dem Fenster damit gestanden.

Georg Christoph Lichtenberg

(In Schriften und Briefe, 1967, S. 311)

Mittwoch, 21. November 2012

»Rose ist eine Rose ist eine Zwiebel«, »Eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe« oder Wenn Freundschaft zerbricht


Wie das so ist, wenn Freundschaften zerbrechen – manchmal kommt es zu einem Kleinkrieg. Bei Ernest Hemingway und Gertrude Stein kam es, nachdem die kurze, aber enge und fruchtbare Freundschaft zwischen ihnen zerbrochen war, weil Hemingway unter anderem Werke guter Freunde Gertrude Steins parodierte, gleich zu einem literarischen Krieg (mehr zu dem Zerbrechen siehe http://www.lordjim.at/files/Hemingway_in_Paris.pdf).

Der Krieg begann damit, dass er ihr mit der Kapitelüberschrift »The Passing of a Great Race and the Making and Marring of Americans« (in Anlehnung an The Making of Americans (Wie Amerikaner gemacht werden)* in seiner Satire The Torrents of Spring (Die Sturmfluten des Frühlings) zu Stil und Inhalt von Gertrude Steins Freund Sherwood Andersons Roman Dark Laughter (Dunkles Lachen) einen Seitenhieb austeilte, woraufhin sie Hemingway in der Autobiography of Alice B. Toklas (Autobiographie von Alice B. Tolkas) wenig schmeichelhaft darstellte. Dieser wiederum konterte, indem er ihr ein Exemplar seines Buches Tod am Nachmittag (Death in the Afternoon) mit der Widmung schickte: »A Bitch Is A Bitch is A Bitch Is A Bitch« (Eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe ist eine Schlampe) in Anlehnung an Rose is a rose is a rose is a rose (Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose).

Auch in seinem Roman Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls), der viele Jahre später, nämlich 1940, erschien, konnte er es nicht lassen:
Robert Jordan grinste mit vollem Munde. »Wie die Rosen«, sagte er. »Ganz wie die Rosen. Rose ist eine Rose ist eine Zwiebel.«
«Deine Zwiebeln verwirren dir den Verstand«, sagte Augustin.
»Gib acht!«
»Eine Zwiebel ist eine Zwiebel ist eine Zwiebel«, sagte Robert Jordan fröhlich. Und dachte: Ein Stein ist ein Kiesel, ist ein Fels, ist Geröll, ist Granit.

(Nach einer anderen, besseren Übersetzung:  »Ein Stein ist ein Stein, ist ein Fels ist ein Felsblock ist ein Kiesel«)

»What hast thou against the onion?«
»The odor. Nothing more.« Robert Jordan grinned at him with his mouth full. »A rose is a rose is an onion.«
»Thy onions are affecting thy brain,« Agustín said.
»Take care.«
»An onion is an onion is an onion,« Robert Jordan said cheerily and, he thought, a stone is a stein is a rock is a boulder is a pebble.


(Wem die Stunde schlägt. Fischer 1954, S. 357f.)
Wie und ob Gertrude Stein darauf reagierte, ist nicht überliefert. Zumindest ist mir nichts bekannt.

* Hemingway hatte das Buch vor dem Zerbrechen der Freundschaft noch als ihr eigentliches Werk bezeichnet, und dass er und seinesgleichen nichts anderes tun sollten, als ihr Leben daran zu setzen, dass es auch veröffentlich wird (siehe K. Schnell: Gertrude Steins Einfluß auf andere amerikanische Schriftsteller, S. 9). In dem wenige Jahre nach seinem Tod erschienenen Erinnerungsbuch Paris – ein Fest fürs Leben (A Moveable Feast) schreibt er über dieses »unglaublich lange Buch«:
[Es] begann ganz prachtvoll, ging eine Zeitlang sehr gut weiter mit langen Strecken großer Brillanz, und dann ging es endlos in Wiederholungen weiter, die ein verantwortungsvollerer und weniger fauler Schriftsteller in den Papierkorb geworfen hätte.«

The book began magnificently, went on very well for a long way with great
stretches of great brilliance and then went on endlessly in repetitions that a more conscientious and less lazy writer would have put in the waste basket.
(S. 27)

Freitag, 9. November 2012

Martin Luther über das Schreiberamt

Es meinen wol etliche / Das Schreiber ampt sey ein leicht geringe ampt. / Aber jm Harnisch reiten / Hitz / Frost / Staub / Durst vnd ander vngemach leiden / Das sey eine erbeit. Ja das ist das alte gemeine teglich Liedlin / das keiner sihet / wo den andern der Schuch drückt / Jderman fület allein sein vngemach / vnd gaffet auff des andern gut gemach. War ists / Mir were es schweer im Harnisch zu reiten / Aber ich wolt auch gern widderumb den Reuter sehen / der mir künde einen gantzen tag still sitzen / vnnd in ein Buch sehen / wenn er schon nichts sorgen / tichten / dencken noch lesen solt. Frage einen Cantzelschreiber / Prediger vnd Redener / was schreiben vnd reden für ein erbeit sey / Frage einen Schulmeister / was leren vnd Knaben zihen für erbeit sey. Leicht ist die Schreibfedder / das ist war / Ist auch kein Handzeug unter allen Handwercken bas zu erzeugen / denn der Schreiberey / Denn sie bedarff allein der Gense fittich / der man vmb sonst allent halben gnug findet / Aber es mus gleichwol das beste Stücke (als der Kopff) vnd das edleste Glied (als die Zunge) vnnd das höhest Werck (als die rede) so am Menschen leibe sind / hie herhalten vnd am meisten erbeiten / da sonst bey andern / entweder die Faust / Füss / Rucken / oder dergleichen Glied allein erbeiten / Vnd können da neben frölich singen vnnd frey schertzen / das ein Schreiber wol lassen mus. Drey Finger thuns (sagt man von Schreibern) Aber gantz Leib vnd Seel erbeiten dran.

Es meinen wohl etliche, das Schreiberamt sei ein leicht geringes Amt, aber im Harnisch reiten, Hitze, Frost, Staub, Durst und anderes Ungemach leiden, das sei Arbeit. Ja, das ist das alte gemeine tägliche Liedlein, das keiner sieht, wo den andern der Schuh drückt. Jedermann fühlt allein sein Ungemach und gafft auf des anderen gut Gemach. Wahr ists, mir wäre es schwer, im Harnisch zu reiten; aber ich wollte auch gern wiederum den Reiter sehen, der mir könnte einen ganzen Tag still sitzen und in ein Buch sehen, wenn er schon nichts sorgen, dichten, denken noch lesen sollte. Frage einen Kanzleischreiber, Prediger, Redner, was Schreiben und Reden für Arbeit sei; frage einen Schulmeister, was Lehren und Knaben Ziehen für Arbeit sei. Leicht ist die Schreibfeder, das ist wahr, ist auch kein Handzeug unter allen Handwerkern baß zu erzeugen, denn der Schreiberei, denn sie bedarf allein der Gänse Fittich, der man umsonst allenthalben genug findet. Aber es muß gleichwohl das beste Stück (als der Kopf) und das edelste Glied (als die Zunge), und das höchste Werk (als die Rede), so am Menschenleibe sind, hier herhalten und am meisten arbeiten, da sonst bei andern entweder die Faust, Füße, Rücken oder dergleichen Glieder allein arbeiten, und können daneben fröhlich singen und frei scherzen, das ein Schreiber wohl lassen muß. Drei Finger tuns (sagt man von Schreibern). Aber der ganze Leib und Seele arbeiten dran.

Martin Luther

(Predigt D.M.L. Das man Kinder zur Schulen halten solle. Anno XXX. In Der Fünffte Teil / aller Bücher und Schrifften des thewren seligen Mans Gottes / Doct. Marth. Lutheri. Steinmann 1588, S. 183)

Mittwoch, 7. November 2012

Zitat des Tages: Sören Kierkegaard über das Bücherschreiben

Als ich sehr jung war, konnte ich nicht verstehen, wie man es anstelle, ein Buch zu schreiben. Das verstehe ich jetzt sehr gut, hingegen kann ich jetzt nicht begreifen, wie jemand wünschen kann, es zu tun.

Auch:

Als ich sehr jung war, konnte ich nicht verstehen, wie man sich beim Schreiben eines Buches anzustellen hat. Das verstehe ich mittlerweile sehr gut, jetzt kann ich hingegen nicht begreifen, warum dies überhaupt irgendwer tun mag.
(Deutsche Søren Kierkegaards Edition: Journale und Aufzeichnungen. Gruyter 2008, S. 164)

Sören Kierkegaard, Die Tagebücher. Diederich 1968, S. 291f.


Montag, 5. November 2012

Zitat des Tages: Oscar Wilde über das Reisen mit einem Tagebuch

Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Spannendes zu lesen haben.  

I never travel without my diary. One should always have something sensational to read in the train.
(The Importance of Being Earnest, 1895/2008, S. 65)  

Oscar Wilde

 (In Bunbury oder Ernst muß man sein, 1977, S. 69)

Samstag, 3. November 2012

Zitat des Tages: Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse

Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse.

Le langage est source de malentendus.

Language is the source of misunderstandings.

Antoine de Saint-Exupéry

(In Der kleine Prinz (Le Petit Prince, The Little Prince). Rauch 1950, S.69; zitiert nach http://en.wikiquote.org/wiki/The_Little_Prince)

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann …

Ein unter Autoren äußerst beliebtes Zitat von Antoine de Saint-Exupéry lautet:

Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann.

Nur hat er es so nicht gesagt, sondern von Maschinen gesprochen. Richtig heißt das Zitat:
Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.

Il semble que la perfection soit atteinte non quand il n'y a plus rien à ajouter, mais quand il n'y a plus rien à retrancher.

Perfection is not when there is no more to add, but no more to take away.
(Aus Wind, Sand und Sterne (Terre des Hommes). Rauch 1957, S. 60)

Und der ganze Text lautet:
Es scheint, dass alle Arbeit der Ingenieure, Zeichner und Rechner in den Laboratorien nur den Sinn hat, hier eine Verbindung zu vereinfachen, dort ein Flügel anzupassen, bis man überhaupt nicht mehr merkt, dass da ein Flügel an einen Rumpf montiert ist, sondern nur gewahr wird, dass etwas Neues vor uns steht: eine vollkommen entwickelte Form, frei von allen Schlacken, ein gewachsenes Ganzes, das ebenso geheimnisvoll gebunden ist wie eine Dichtung. Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Die Maschine in ihrer höchsten Vollendung wird unauffällig.

Il semble que le travail des ingénieurs, des dessinateurs, des calculateurs du bureau d’études ne soit ainsi en apparence, que de polir et d’effacer, d’alléger ce raccord, d’équilibrer cette aile, jusqu’à ce qu’on ne la remarque plus, jusqu’à ce qu’il n’y ait plus une aile accrochée à un fuselage, mais une forme parfaitement épanouie, enfin dégagée de sa gangue, une sorte d’ensemble spontané, mystérieusement lié, et de la même qualité que celle du poème. Il semble que la perfection soit atteinte non quand il n’y a plus rien à ajouter, mais quand il n’y a plus rien à retrancher. Au terme de son évolution, la machine se dissimule.
(Zitiert nach http://agora.qc.ca/Dossiers/machine)

Sonntag, 26. August 2012

Zitat des Tages: Oscar Wilde über die beiden Tragödien des Lebens. II

Es gibt in dieser Welt nur zwei Tragödien. Die eine ist, wenn man nicht bekommt, was man sich wünscht. Die andere ist, wenn man es bekommt. Die zweite ist zweifellos die schlechtere, die zweite ist eine wahre Tragödie!

In this world there are only two tragedies. One is not getting what one wants, and the other is getting it. The last is much the worst; the last is a real tragedy!
(http://www.online-literature.com/wilde/lady-windermeres-fan/3/)

Oscar Wilde, Der Fächer der Lady Windermere (Lady Windermere's Fan), 3. Akt http://gutenberg.spiegel.de/buch/1838/4

Zu Wildes anderen beiden Tragödien des Lebens siehe http://juttas-schreibblog.blogspot.de/2011/07/zitat-des-tages.html

Samstag, 18. August 2012

Jean Paul über seinen Ärger mit Vorreden

Es hat mich oft verdrüßlich gemacht, daß ich jeder Vorrede, die ich schreibe, ein Buch anhängen muß als Allonge eines Wechselbriefes, als Beilage sub litt. A–Z. Andern privatisierenden Gelehrten werden schon ganze Bücher fertig und lebendig aus der Wiege zugeschickt, und sie brauchen nichts daran zu hängen, als das goldene Stirnblatt der Vorrede, und nichts mehr an der Sonne zu machen, als die Aurora. Aber mich hat noch kein einziger Autor um eine Vorerinnerung ersucht, ob ich gleich schon seit einigen Jahren mehre Vorreden im Voraus verfasse und auf den Kauf ausarbeite, worin ich künftige Werke nach Vermögen erhebe. Ja, ein ganzes Münzkabinet von solchen Preismedaillen und Huldigungmünzen, die ich für fremde Verdienste mit den besten Rändelmaschinen ausprägte, steht mir immer vor Augen und läuft täglich höher an; daher schlag’ ich das Kabinet am Ende – es ist kaum anders zu machen – im Ganzen los, und gebe ein Buch voll bloßer präexistierender Vorreden – zu gedenklichen Werken – heraus.

Jean Paul

(Blumen-, Frucht-, und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs. In Jean Paul’s sämmtliche Werke. Reimer 1826, S. V f.)

Montag, 13. August 2012

Friedrich der Große über sein Verhältnis zu den Religionen

Ich bin gewissermaßen der Papst der Lutheraner und das kirchliche Haupt der Reformierten. Ich ernenne Prediger und fordere von ihnen nichts als Sittenreinheit und Versöhnlichkeit. Ich erteile Ehedispense und bin in diesem Punkte sehr nachsichtig, da die Ehe im Grunde nur ein bürgerlicher Vertrag ist, der gelöst werden kann, sobald beide Parteien damit einverstanden sind. Außer wenn es sich um Bruder und Schwester, Mutter und Sohn, Tochter und Vater handelt, erlaube ich nachsichtig, daß man sich nach Herzenslust heirate; denn diese Verbindungen stiften keinerlei Schaden.

Alle anderen christlichen Sekten werden in Preußen geduldet. Dem ersten, der einen Bürgerkrieg entzünden will, schließt man den Mund, und die Lehren der Neuerer werden der verdienten Lächerlichkeit preisgegeben. Ich bin neutral zwischen Rom und Genf. Will Rom sich an Genf vergreifen, so zieht es den kürzeren. Will Genf Rom unterdrücken, so wird Genf verdammt. Auf diese Weise kann ich dem religiösen Haß steuern, indem ich allen Parteien Mäßigung predige. Ich suche aber auch Einigkeit unter ihnen zu stiften, indem ich ihnen vorhalte, daß sie Mitbürger eines Staates sind und daß man einen Mann im roten Kleide ganz ebenso lieben kann wie einen, der ein graues Gewand trägt.

Ich suche gute Freundschaft mit dem Papst zu halten, um dadurch die Katholiken zu gewinnen und ihnen begreiflich zu machen, daß die Politik der Fürsten die gleiche bleibt, auch wenn die Religion, zu der sie sich bekennen, verschieden ist. Indessen rate ich der Nachwelt, dem römischen Klerus nicht zu trauen, ohne zuverlässige Beweise seiner Treue zu besitzen.

Friedrich II. König von Preußen

(Einnahmen. In Das politische Testament von 1752, S. 143)

Sonntag, 12. August 2012

Zitat des Tages: Friedrich der Große über die Besetzung von Finanzämtern

Zur Besetzung aller dieser Finanzämter sind mehr Ehrenmänner erforderlich, als der Staat gewöhnlich hervorbringt. Zu glauben, die Welt sei von Bösewichtern bevölkert, heißt denken wie ein Menschenfeind. Sich einbilden, alle zweibeinigen Wesen ohne Federn seien Ehrenmänner, heißt sich wie ein Dummkopf täuschen. Ein Herrscher muß so viel Menschenkenntnis besitzen, um wenigstens an die Spitze der Provinzen ehrliche Männer zu stellen. Da ihre Zahl klein ist, so findet man sie leichter. Ich habe alte ausgediente Offiziere zu Präsidenten gemacht, und ich bin mit ihnen besser gefahren als mit den in der Beamtenlaufbahn Emporgekommenen.  (…)

Was das Generaldirektorium betrifft, so ist es besser, daß Leute von Verstand, wenn auch von zweifelhafter Redlichkeit, darin sitzen als dumme, aber ehrliche Leute. Sobald der Herrscher sie kennt, kann er sie im Zaum halten und sie zur Rechtschaffenheit zwingen. Sind sie aber einfältig, so kann er mit ihnen nichts anfangen. Auch das ist zu beachten, daß man die Ämter mit den richtigen Leuten besetzt und einen jeden nach seinen Talenten verwendet: den Kenner der Landwirtschaft für Pachtsachen, den Mann der Ordnung für die Einrichtung der großen Kassen, den Gewerbekundigen bei der Errichtung der Manufakturen usw.

Friedrich II. König von Preußen

(Einnahmen. In Das politische Testament von 1752, S. 126)

Freitag, 10. August 2012

Carpe Diem 카르페 디엠 (오늘을 즐기라!

(»Genieße den Tag«, »Nutze den Tag«, »Plücke den Tag«)

An die Leukonoe

Frag nicht (denn Wissen ist ein Frevel), welches Ende die Götter mir, welches sie dir, Leukonoe, zugedacht haben, und lass die Finger von babylonischer Astrologie! Wie viel besser doch, was immer sein mag, zu ertragen! Ob Jupiter noch viele Winter uns zugeteilt hat oder den letzten, der jetzt an entgegenstehenden Klippen das Tyrrhenische Meer bricht – lebe mit Verstand, kläre den Wein und beschränke ferne Hoffnung auf kurze Dauer! Noch während wir reden, ist die missgünstige Zeit schon entflohen: Nutze den Tag, und glaube so wenig wie möglich an den nächsten!*

Horaz, Ode 11

(Zitiert nach http://cafe.daum.net/germanistik/Dmjd/69?docid=Mj7dDmjd6920090519140203; weitere Links zu Übersetzungen siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Carpe_diem)

*auch »Genieße den Augenblick und verlaß dich so wenig wie möglich auf den folgenden« (http://members.aon.at/latein/Horaz1.htm)

Eine Übersetzung, die mir noch besser gefällt, aber mit den eher unüblichen Worten endet »Fröhlich pflücke das ›Heut‹, trau’ nicht auf das, was Dir ein ›Morgen‹ bringt« siehe Die Oden des Quintus Horatius Flaccus: Deutsch in Versmaße des Originals, 1866, S. 20)

Ad Leuconoen

Tu ne quaesieris – scire nefas – quem mihi, quem tibi
Finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios
Tentaris numeros. Ut melius, quidquid erit, pati:
Seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
Quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum! Sapias, vina liques, et spatio brevi
Spem longam reseces. Dum loquimur, fugerit invida
Aetas: carpe diem quam minimum credula postero.


(Carminum. Liber Primus XI. Aus: Des Q. Horatius Flaccus Sämmtliche Werke: für den Schulgebrauch erklärt, 1868,  S. 36f., mit einer ausführlichen Erläuterung des Textes und vielen handschriftlichen Notizen, die ein unbekannter Schüler in dem Buch gemacht hat)

Hübsch ist die Anmerkung des Herausgebers C. W. Nauck dazu::
Lebensregel. Einer thöricht-gesinnten Schönen, die sich das Leben durch Zukunftssorgen verbittet, ruft der Dichter in freundlicher und gemüthlicher Weise sein Sapias zu: »Sei kein Närrchen, geniesse die Gegenwart«.
Leuconoë, don’t ask, we never know, what fate the gods grant us,
whether your fate or mine, don’t waste your time on Babylonian,
futile, calculations. How much better to suffer what happens,
whether Jupiter gives us more winters or this is the last one,
one debilitating the Tyrrhenian Sea on opposing cliffs.
Be wise, and mix the wine, since time is short: limit that far-reaching hope.
The envious moment is flying now, now, while we’re speaking:
Seize the day, place in the hours that come as little faith as you can.

(http://www.poetryintranslation.com/PITBR/Latin/HoraceOdesBkI.htm#_Toc39402017)

(Mehr zu Carpe diem siehe http://juttas-zitateblog.blogspot.de/2011/09/carpe-diem.html und zu Martin Opitz' Gedicht Carpe diem http://juttas-zitateblog.blogspot.de/2011/09/uber-martin-opitz-gedicht-carpe-diem.html . Zu Bewahre die Zeit! von Lucius Annaeus Seneca siehe http://juttas-schreibblog.blogspot.de/2010/10/seneca-uber-die-zeit.html)