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Donnerstag, 9. Juli 2009

Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Nachtrag (Literaturagenturen)

"Diesmal ein spätes PS: Literaturagenturen.

Nach 9 Teilen Praxisbericht dachte ich, dass ich als Autorin nun alles hätte, was man braucht. Doch da war tatsächlich noch etwas Nützliches zu finden, und das will ich natürlich niemanden vorenthalten. Und da ja auch heuer Klagenfurt wieder einmal nicht angerufen hat, hatte ich Zeit für andere interessante Dinge des Literatinnenlebens, wie zum Beispiel: die Suche nach einer Literaturagentur." weiterlesen

http://www.literaturcafe.de/

Freitag, 12. Juni 2009

Mit höflichem Bedauern …


Die Zerstreuung eines Buches durch die Welt ist ein fast ebenso schwieriges Werk als die Verfertigung desselben. (SCHILLER)

Verzagen Sie nicht und seien Sie nicht gar beleidigt, wenn Sie Ihr Manuskript zurück erhalten. Schicken Sie es zum einundfünfzigsten Mal an einen Verlag … (Senden Sie aber jedes Mal ein neu getipptes oder ausgedrucktes Manuskript – der Verlag muss nicht wissen, dass Sie es schon fünfzig Mal ohne Erfolg versandt haben – mit einen neuen, persönlich gehaltenen Begleitbrief.) Bleiben Sie optimistisch oder lernen Sie eine optimistische Einstellung. Oder, wie Patricia HIGHSMITH schreibt:
Psychologisch gesprochen: eine angemessene Trauerzeit für ein abgelehntes Manuskript ist gut (damit meine ich ein zwanzigmal und nicht ein nur zwei- oder dreimal unwiderruflich abgelehntes), aber länger als ein paar Tage sollte sie nicht dauern. Und das Manuskript darf man nicht gleich wegwerfen, denn nach zwei oder drei Jahren weiß man vielleicht genau, was zu tun ist, damit es sich verkauft.
So mancher Autoren stellt später fest, dass es ein Glück war, dass seine ersten Werke nie die Augen der Öffentlichkeit erreicht haben. Geben Sie also nicht auf!

Viele große Schriftsteller haben Texte zurückerhalten. GIDE blätterte 1912 den ersten Band von PROUSTS Suche nach der verlorenen Zeit nur durch und fand dort, wie er vermutet hatte, Geschichten über Herzoginnen und dergleichen, Texte, die er nicht mochte – er hatte den Sinn des Buches nicht erfasst. Arnold ZWEIGS Streit um den Sergeanten Grischa lehnten dutzende Verleger ab, ebenso REMARQUES Im Westen nichts Neues und DÖBLINS Berlin Alexanderplatz. Und im Jahr Neunzehnhundert schickte ein junger Autor ein Manuskript mit über zweitausend Seiten an den Verleger Samuel FISCHER. Der schlug dem jungen Mann vor, den Roman um die Hälfte zu kürzen, weil er nicht glaubte, dass sich »viele Menschen finden«, die »Zeit und Konzentrationslust haben, um ein Romanwerk von diesem Umfang in sich aufzunehmen«. Der Autor blieb hartnäckig, und die Buddenbrooks erschienen ungekürzt.

Weitere "30 famous authors whose works were rejected (repeatedly, and sometimes rudely) by publishers", darunter das Tagebuch der Anne Frank, finden Sie hier: http://tinyurl.com/n5wv34

Mittwoch, 4. März 2009

Übrigens…

… Man beginnt ein Anschreiben an einen Verlag nie, aber wirklich nie, mit „Sehr geehrter Herr, sehr geehrte Frau“ heißt es. Solche Einsendungen würden ungesehen im Papierkorb landen. Man solle sich den Namen der Lektoren aus den Verlagswebseiten raussuchen und sie persönlich ansprechen. Wenn dort keine Angaben sein, solle man anrufen und sich mit dem Lektor verbinden lassen. Dann könne man auch gleich fragen, ob er an dem Manuskript überhaupt interessiert ist. Soweit so gut. Sehe ich auch ein und ich weiß das auch, weil ich mich intensiv mit dem Einreichen von Manuskripten beschäftige.

Aber – woher sollen das die „normalen“ AutorInnen wissen? Es gibt zwar unzählige Autorenforen im Netz, wo man fragen kann, wie ein Anschreiben auszusehen hat, aber erstens kommt nicht jeder Autor auf die Idee, dort nachzufragen, und wenn er wenig Interneterfahrungen hat, wird er auch nicht danach googeln. Und wenn er keinen Internetanschluss hat, hat er eben Pech gehabt. Ein Autor muss heutzutage viel zu viel wissen, was mit dem eigentlichen Schreiben gar nichts zu tun hat.

Aber nun ja, die Verlage können mit uns armen AutorInnen halt machen, was sie wollen. Es gibt eben zu viele von uns.

Donnerstag, 6. November 2008

Michael Chrichton ist tot (Erste Sätze III)

Ich lese gerade das Buch Der große Eisenbahnraub von Michael Chrichton und höre mit Entsetzen, dass er im Alter von 66 Jahren an Krebs gestorben ist. Gerade in der letzten Zeit habe ich seine Bücher noch einmal gelesen, und sie gefielen mir immer besser. Seine Webseite hat seine Familie offline gestellt, denn sie bittet um Einhaltung ihrer Privatsphäre in dieser schwierigen Zeit.

Statt noch eines Nachrufes (stellvertretend dafür siehe Ö1 Inforadio) möchte ich hier zwei Auszüge aus meinem Buch Am Anfang war die Phantasie: Über die Geheimnisse der Schreibkunst (siehe http://miller-waldner.kulturserver.de/ auf der Navigationsleiste unter Am Anfang war die Phantasie) einstellen, und zwar einmal zu seiner Art zu schreiben:
CHRICHTON erzählt, dass er 1969 das Manuskript seines Romans Andromeda, in dem er von einer Art Staub aus dem All erzählt, der einen tödlichen Virus produziert, von seinem Lektor zurückerhielt mit den Worten: Das alles klingt unglaubwürdig. Da er selbst das Buch selbst zu romanhaft fand, schrieb er es noch einmal, und zwar als Reportage – als ob die Geschichte wahr wäre – und begann zu recherchieren und sich zu fragen, wie sich Menschen in einer solchen Extremsituation verhalten würden. Dafür habe er eine »nüchterne, auf das Nötigste reduzierte Sprache gewählt, wie bei einem wissenschaftlichen, leicht verständlichen Bericht. Dabei bin ich bis heute geblieben«.
und zu der Frage, ob ihm erste Sätze wichtig sind:
Nicht wirklich. Ich bewundere sie bei anderen, Edgar Allan Poe hat wunderbare erste Sätze geschrieben. Meine Texte entstehen, wenn ich Bausteine arrangiere und vereinfache, vereinfache, vereinfache. Ich möchte die Aufmerksamkeit des Lesers nicht auf das lenken, was ich tue. Ich will keinen besonderen Stil, weder beim Schreiben noch beim Regieführen. Als ich in den frühen Siebzigern anfing, Filme zu machen, kamen Leute wie Scorsese und beeindruckten mit langen Kamerafahrten. Mir sagte man immer: jeder könnte bei deinen Filmen Regie geführt haben! Ich sagte: perfekt.