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Samstag, 7. August 2010

Noch ein Link der Woche: Google Fight

Nach wem wird wohl öfter gegoogelt, Goethe oder Shakespeare, München oder Hamburg? Sagt man »großes« Vertrauen oder »hohes« Vertrauen, »many« informations oder »much informations«? googlefight verrät es uns. (Man kann natürlich direkt bei Google googlen, aber bei Google Fight macht es mehr Spaß)

Montag, 3. August 2009

Zitat des Tages

Eine der wichtigsten Schreibregeln überhaupt

Alles wirklich Wichtige in einem Buch soll zwischen den Zeilen stehen.

Ralph Boller

Donnerstag, 30. April 2009

Über Wissenschaftssprache: Wie die Uni uns versaut

Von Serge Debrebant

„Studenten glauben, dass schlau wirkt, wer kompliziert schreibt. Wie konnte das passieren? Eine Erklärung Wer mit Fremdwörtern um sich wirft, will meist anderen imponieren

Neulich habe ich meine Abschlussarbeit weggeworfen. Romanistik, eine Abhandlung über einen Dichter des 16. Jahrhunderts. Ich zog um, brauchte Platz und war froh, als ich sie los war. Die Arbeit steht für fünf verschenkte Monate und liest sich so, wie ich mich beim Schreiben gefühlt habe. 68 Seiten Langeweile.

Vielen meiner Freunde ging es so. Statt klares Deutsch zu schreiben, erlagen wir der »Faszination des Unverständlichen«. Die Formulierung stammt von Wolf Wagner, Professor für Sozialwesen in Erfurt, der in seinem Ratgeber Uni-Angst und Uni-Bluff heute beschreibt, wie die Uni intellektuelle Hochstapler heranzieht. Sie bluffen, weil sie Angst haben, sich zu blamieren, und drücken sich so kompliziert wie möglich aus, weil sie hoffen, dass ihre Leser komplex mit kompliziert verwechseln.

Das klingt dann so: »Die Applikation der Dialektologie im Bereich der Kulturraumforschung wie Volks- und Landeskunde basiert auf einer Adaption der diatopischen Betrachtungsweise und der damit verbundenen kartographischen Darstellungsverfahren sowie auf der hilfsdisziplinären Funktion dialektaler Erscheinungen im Rahmen kulturgeographischer Untersuchungen und führt generell zu einer Stützung kulturanthropologisch-geographischer Aussagen.« Alles klar?" weiterlesen


Allen Schreibern nicht nur von wissenschaftlichen Werken sei das folgende aus dem Artikel mit auf den Weg gegeben:

Dann klingen die Haus- und Diplomarbeiten an deutschen Hochschulen, als hätten alle ein Lehrbuch für Rhetorik gelesen und sich darauf geeinigt, die Ratschläge in ihr Gegenteil zu verkehren. Fremdwörter sind elitär? Ein Grund mehr, sie zu benutzen! Verben machen einen Text lebendig? Dann nehmen wir doch lieber Hauptwörter – zum Beispiel »Dekonstruktion«! Dazu noch Schachtelsätze und Satzgirlanden.
Quelle: http://www.zeit.de/

Aber zum Glück bemühen sich inzwischen auch Sach-/Fachbuchautoren und auch viele Wissenschaftler, so verständlich zu schreiben, dass auch Nichteingeweihte ihre Texte verstehen. Mittlerweile werden Kurse für das Schreiben von Nonfiction angeboten und gibt es gute Bücher, die jeder, der verständlich schreiben will, auf seinem Schreibtisch stehen haben sollte: Lutz von Werders "Kreatives Schreiben in den Wissenschaften" und Umberto Ecos „Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt“. jmw

Dienstag, 7. April 2009

Zitat des Tages

Wer seinen Gegenstand nicht beherrscht, der macht von Komparativen und Superlativen reichlich Gebrauch.

Ernst Jünger

Das Zitat ist nicht von Ernst Jünger, sondern von dessen Bruder Friedrich Georg.

(Quelle: Gedanken und Merkzeichen. Klostermann 1949, S. 22)

Montag, 30. März 2009

Wie schreibt man einen Arztroman

Sie wollten immer schon einen Arztroman schreiben, wussten nur noch nicht wie? Zum Glück weiß es Andrea Strässle. Unter dem Titel "Mit bebenden Lippen: Der Gute, der Böse, die Schöne der Arzt. In 10 Schritten zum Happy-End" gibt sie dazu Tipps, und das Schöne ist, sie stehen zum Download hier bereit.

Auch wenn Sie nicht beabsichtigen, einen derartigen Roman zu schreiben, sollten Sie die Anleitung lesen. Sie ist köstlich geschrieben. Abgesehen davon, können Sie hier lernen, wie man gute Unterhaltungsliteratur nicht schreibt.

Mehr zum Happy End finden Sie übrigens hier. Und hier und hier etwas zur Trivialliteratur

Sonntag, 8. März 2009

Stil ist keine Salatsoße …

"Style (grammar, punctuation, and sentence/paragraph structure) is not just salad dressing", so beginnt ein lesenswerter Beitrag über Stil auf http://tinyurl.com/aqgbtm des MIT (nur leider in Englisch), unter anderem mit vielen Beispielen zu vorher/nachher.

Samstag, 28. Februar 2009

Link der Woche: Wie man einen guten Abi-Deutschaufsatz schreibt

http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/3412/

Zum Beispiel:
Viele Schüler/innen glauben, dass man in Deutsch eine bessere Note bekommt, wenn man viel schwallt. Das ist nicht richtig. … Nach Möglichkeit sollte jeder Satz für den zugehörigen Abschnitt eine Bedeutung haben. Im Abschnitt über die Nachteile des Markenzwangs hat ein Satz wie “In einer Zeitschrift gab es vor einiger Zeit einmal eine achtseitige Werbung für Markenklamotten, die Anbieter haben in den letzten Jahren offensichtlich gute Gewinne gemacht.” nur dann etwas zu suchen, wenn er irgendwie auf die Nachteile des Markenzwangs verweist.
Und hier ist ein Merkblatt, wie man zumindest einen befriedigenden Abi-Aufsatz schreibt

Donnerstag, 12. Februar 2009

Falsche Angaben zum neuen Wirtschaftsminister


Auf vonguttenberg.de/zu_guttenberg.html gibt es eine Klarstellung zu der Beschreibung des früheren Jobs von zu Guttenberg:
Aufgrund nicht zutreffender Informationen (u. a. FOCUS, Tagesspiegel, Spiegel, Wikipedia u.a. basierend auf einer dpa Mitteilung) wird unser Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe mit dem CSU-Generalsekretär Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg in Verbindung gebracht.
Hiermit informieren wir Sie darüber, dass es sich hierbei um Fehlinformationen handelt.
Tja, bei solchen adligen Namen kann man schon mal durcheinander kommen …

Was mich aber interessiert ist: wie schreibt man das "zu" bei Guttenberg, wenn man den Vornamen nicht nennt, groß oder klein? Und wie im Literaturverzeichnis? Duden hilf!

Richtig heißt der neue Wirtschaftsminister ja Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg*. Aber warum "von und zu"? Yahoo! Clever weiß es:
Der Adelstitel 'von und zu' deutet an, dass die Familie zum Zeitpunkt der Namensverfestigung (also spätestens durch die Weimarer Reichsgesetzgebung) noch im Besitz der namensgebenden Stätte (meist die mittelalterliche Burg) war, wie zum Beispiel die Fürsten von und zu Liechtenstein.
Die vielen schönen Vornamen habe ich hier angegeben, falls Sie mal auf der Suche nach ungewöhnlichen Vornamen für Ihren ungewöhnlichen Helden sind. Man könnte solche Vornamen auch für einen gewöhnlichen Helden nehmen, aber damit würde man ihn denunzieren, und das haben auch Buchfiguren nicht verdient. Es sei denn, Sie schreiben eine Satire. Zur Suche nach Namen für Figuren wird übrigens oft der Tipp gegeben, einfach in Telefonbüchern zu wälzen. Das würde ich aber nicht empfehlen, der Genannte könnte sich in Ihrem Buch wiederfinden und Sie abmahnen.

Und so bin ich in einem einzigen Post unbewusst von unsauberer Recherche zu Abmahnung gekommen, und das ist doch ein toller Bogen, nicht wahr?

*Lesen Sie dazu ein Interview auf Zeit Online mit einem Journalisten, der diesen Namen noch einen Wilhelm zufügte, was wiederum viele Medien unüberprüft übernehmen

Sonntag, 1. Februar 2009

John Updike ist tot

Zum Tod von John Updike finden Sie viele Nachrufe, unter anderem hier (FAZ.NET Literatur) und hier (Wiener Zeitung.at mit dem Untertitel Über die implizite Religiosität und einige andere, weniger bekannte Aspekte im Werk des in dieser Woche verstorbenen US-Autors John Updike), da muss ich nicht auch noch einen schreiben. Stattdessen stelle ich hier einiger seiner Zitate ein:
Bevor ich den ersten Satz schreibe, habe ich die Geschichte meines Romans schon im Kopf. Manchmal verbringe ich ein Jahr, manchmal anderthalb Jahre damit, den Plan eines Romans zu machen, so daß ich alle Teile der Chronologie vor Augen habe. Wenn es dann losgeht, habe ich das Gefühl, daß ich jedes Ereignis schon kenne. Deshalb freue ich mich auf viele leere Blätter, denn meine erste Fassung schreibe ich wie ein Verrückter, so schnell ich nur kann, damit die Sprache möglichst aus einem Guß ist. (UPDIKE)

Mit Schreiben rechtfertige ich den Raum, den ich auf dem Planeten Erde einnehme. (UPDIKE)
Schreiben ist für mich ein sinnlicher Vorgang. Dazu gehört für mich ein Stift und ein Blatt Papier. (UPDIKE)
Auch Erfolg wird bestraft. Die Strafe liegt darin, daß man mit Leuten zusammenkommt, die man früher meiden durfte. (UPDIKE)

Sex ist das der Glueckseligkeit Verwandteste. Gut moeglich, dass es sich dabei um einen Trick der Natur handelt. Aber dann ist es ein verdammt guter Trick. (UPDIKE)

Sex ist der Leim, der das Gefüge der menschlichen Beziehungen zusammenhält; er bringt Familien und Romanzen hervor ... (UPDIKE)

Es heißt unentwegt, Liebe und Sex seien die neuen Grundlagen unserer Moral. Ich wollte der Sache einmal auf den Grund gehen und die Frage stellen: wäre das überhaupt wünschenswert? (UPDIKE zu seinem Buch Ehepaare)

Die Gründerväter in ihrer Weisheit entschieden, Kinder wären eine unnatürliche Belastung für ihre Eltern. So sorgten sie für Gefängnisse genannt Schulen, ausgestattet mit Torturen genannt Erziehung. Schule ist, wohin du in der Zeit gehst, wo dich deine Eltern nicht nehmen können und die Arbeitswelt dich nicht nehmen kann. (UPDIKE)

Du kannst auf die dunkle Seite des Mondes reisen und wieder zurück und erlebst doch nichts, das wunderbarer und staunenswerter wäre als die Art, in der es Männer und Frauen gelingt, zueinander zu kommen. (UPDIKE)

Wir alle träumen, und wir stehen alle fassungslos am Eingang der Höhlen unserer Tode: Da müssen wir hinein. (UPDIKE)

Das ist alles, was wir voneinander wollen: Anerkennung. Den Platz im Rattenrennen, der einem zusteht. (UPDIKE)
und Beispiele zum guten Schreiben aus meinem Buch Am Anfang war die Phantasie: Über die Geheimnisse der Schreibkunst

Versinken Sie nicht auch lieber in Augen wie flüssige Schokolade oder »Augen so braun wie gebürstetes Fell auf goldenem Grund« (UPDIKE) statt in den ebenso oft besungenen braunen Augen? (Zum Thema Phrasen; siehe auch meinen Eintrag auf juttas schreibtipps)

Viele Ihrer Leser sind schon einmal in einen Swimmingpool gesprungen. »Laaaangweilig«, wird er bei dem Satz »Sie sprang in den Pool« sagen. Das sagt er aber nicht, wenn er UPDIKES Worte liest: »Mit unbeholfener Begeisterung stieß sich Polly von dem ratternden Brett ab und tauchte lachend durch das Tanggewirr ihrer Haare wieder auf.« (Zum Thema Zeigen, nicht informieren; siehe auch meinen Eintrag auf juttas schreibtipps)